Gordon Riske und John Feldmann

Ein Interview zum Kauf von Dematic durch die KION Group mit dem Vorstandsvorsitzenden Gordon Riske und dem Aufsichtsratsvorsitzenden John Feldmann.

2017-03-01

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Gordon, was bedeutet der Kauf von Dematic für die KION Group?

GR: Um es kurz zu sagen: Es ist der Beginn einer neuen Ära. Für KION ist es eine aufregende Zeit. Aus Kundensicht verändern sich die Märkte und mehr Waren werden schneller und über Nacht geliefert. Jetzt haben wir ein Unternehmen, das dem Kunden Stapler, autonome Fahrzeuge und vollständig integrierte Verteilungszentren aus einer Hand anbietet. Das ist eine einzigartige Marktposition, die kein anderer Wettbewerber bieten kann. Und ein einzigartiges Angebot. All das zusammengenommen – 30.000 Mitarbeiter und fast acht Milliarden Euro Umsatz - ergibt ein Unternehmen, das wirklich Ergebnisse liefern kann.

Abgesehen vom Börsengang 2013 ist die Übernahme der wichtigste Schritt für den Konzern in den vergangenen zehn Jahren.

"Abgesehen vom Börsengang 2013 ist die Übernahme der wichtigste Schritt für den Konzern in den vergangenen zehn Jahren."


Gordon Riske

CEO der KION Group.

John, wie sehen Sie die Zukunft von KION?

JF: Wie Gordon schon sagte, wächst in der ganzen Welt die Nachfrage nach optimierten und verlässlichen Intralogistiklösungen. Mit der Übernahme von Dematic haben wir die Erfahrung, die Leistungen und das Know-How von KION und Dematic zusammengeführt. Der Konzern ist hervorragend positioniert als bevorzugter Anbieter von Logistiklösungen für Unternehmen in allen Branchen weltweit.


Es gibt also wichtige strategische Gründe für diese Übernahme?

GR: Absolut, sie ist sinnvoll. Beide Unternehmen ergänzen sich gegenseitig. Auf der Produktseite profitiert das Staplergeschäft von der starken Position von Dematic in Nordamerika. Die KION Marken sind in Europa, China oder Brasilien stark aufgestellt, davon wird Dematic profitieren.

Dematic betreibt außerdem ein Geschäft, das in den vergangenen Jahren ein Wachstum zwischen 12 und 15 Prozent pro Jahr erreichte. Für uns ergibt sich also auch eine neue Wachstumsstory, von der beide Unternehmen profitieren.

JF: Das Wichtigste ist nun, dass wir innerhalb des Konzerns einen Unternehmergeist entwickeln. Dass jeder bereit ist, die Möglichkeiten und das Know-How und die Erfahrungen zu nutzen - nicht nur, um den Kunden zu dienen und ihre Bedürfnisse zu erfüllen, sondern auch, um die Zukunft der Intralogistik zu gestalten. Und ich glaube, das ist die Chance, die wir in diesem Konzern haben.

"Der Konzern ist hervorragend positioniert als bevorzugter Anbieter von Logistiklösungen für Unternehmen in allen Branchen weltweit."


John Feldmann

Chairman of the Supervisory Board

John, Dematic hat in den vergangenen Jahren viele Veränderungen durchlaufen. Jetzt hat es eine neue Heimat gefunden. Was bedeutet das für Dematic?

JF: Zunächst einmal: Veränderung ist ein roter Faden, ein Leitmotiv, wie man in Deutschland sagt, für alle erfolgreichen Unternehmen. Diese Veränderungen setzen sich fort. Und ich glaube, dass das gute Nachrichten sind.


Gordon, wie kommt die Integration voran?

GR: Die Integration schreitet sehr gut voran. Beide Unternehmen verfügen über ein laufendes Geschäft und ein Unternehmenskonzept. Wir haben uns viele Bereiche angesehen, in denen wir zusammenarbeiten können. Ein kleines Beispiel: In Brasilien haben wir das Geschäft zusammengelegt. Beide Unternehmen sparen Geld und können sich am Markt besser positionieren. Wir haben viele Kundenprogramme auf der Vertriebsseite, um die Stärken der jeweiligen Unternehmen in ihren Regionen zu nutzen. Und auf der Kostenseite haben wir jetzt größere Möglichkeiten in der Beschaffung.

Der Integrationsprozess läuft also sehr gut. Und wenn ich an die Unternehmenskulturen denke und daran, wie beide Unternehmen zusammenarbeiten, dann ist das immer das beste Zeichen. Es ist ganz einfach: Die Leute kommen nicht nur gut miteinander aus. Sie mögen es wirklich, miteinander zu arbeiten.


Von der Akquisition hat also wirklich jeder einzelne Stakeholder etwas?

GR: Absolut. Hier haben wir zwei ergänzende Unternehmen im Bereich Logistik/E-Commerce - ein Bereich, der auf der ganzen Welt wächst. Wir haben alle Zutaten beisammen. Jetzt liegt es an uns, dass es funktioniert. Dann werden alle Stakeholder von dieser Übernahme profitieren.


Und wie fielen die Reaktionen der Aktionäre nach der Übernahme aus?

GR: Zunächst einmal war es am Kapitalmarkt wohl eine Überraschung. Warum sollte KION das tun? Aber nach einigen Tagen legte sich das und sie verstanden die industrielle Logik dahinter. Die Ratingagentur Fitch hat uns gerade ein Investment Grade Rating erteilt. Auf Kundenseite sind viele sehr begeistert, dass Dematic nun ein langfristiges Zuhause hat und nicht mehr zu Private Equity gehört. Und für alle unsere Kunden ist es sehr wichtig, dass wir ein vollständiges Angebot machen können.

Aber ich möchte betonen, dass die Mitarbeiter am stärksten überzeugen. Als wir am Tag des Closings, am 1. November 2016, in Grand Rapids waren – 1.300 Leute in vier Town Hall Meetings - da war die Begeisterung groß. Die Leute klatschten und jubelten und haben sich gefreut, Teil dieser neuen Ära zu sein.

JF: Es ist wichtig, dass wir verstehen, dass wir eine Chance haben – eine gewaltige Chance –, die Zukunft der Logistik wirklich zu gestalten. Das ist aufregend. Jetzt müssen wir eine Unternehmerkultur entwickeln, um diese Chance Wirklichkeit werden zu lassen.