„Ein bisschen Nervosität gehört dazu“

Interview mit KION Chief Financial Officer Thomas Toepfer über die „Financial Journey“ des Konzerns.

2017-03-01

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Herr Toepfer, die „Financial Journey“ - die verschiedenen Stationen der Finanzen und Finanzierung - der KION Group ist sicherlich etwas, worauf man stolz sein kann. Wo stand das Unternehmen zu Beginn dieser Reise?

Wenn wir einmal zehn Jahre zurückgehen zum Zeitpunkt im Jahr 2006, als das Unternehmen durch Linde an Goldman und KKR verkauft wurde, lastete zunächst einmal eine große finanzielle Last auf dem Unternehmen mit Schulden von etwa 2,6 Milliarden Euro. Das war natürlich gerade in den Zeiten der Finanzkrise eine besondere Herausforderung, die wir zu meistern hatten. Allerdings muss man sagen - auf der sehr positiven Seite -, dass unsere Investoren Goldman und KKR das Unternehmen auch in dieser Zeit sehr aktiv unterstützt und in seine zukünftige Entwicklung investiert haben. Und ein großer Fokus des Managements lag natürlich auch darauf, die Entschuldung voranzutreiben, um damit strategische Handlungsspielräume für die Entwicklung von KION nach vorne zu schaffen.

"Der Fokus in den letzten vier Jahren war vor allen Dingen darauf gerichtet, unsere Finanzierungsstruktur zu optimieren."


Thomas Toepfer

Chief Financial Officer (CFO) der KION Group

Was war der nächste zentrale Schritt auf dieser Financial Journey und wie war die Stimmungslage um den Börsengang herum?

Der nächste ganz entscheidende Schritt für uns war natürlich der Börsengang im Jahr 2013, der für KION den Schritt in eine komplett neue Welt bedeutet hat. Und insofern war sicherlich auch im ganzen Team zu spüren, dass das ein echter Meilenstein war, den wir erreichen wollten. Man darf nicht vergessen, dass 2013 doch durchaus auch ein schwieriges Umfeld geherrscht hat mit Blick auf die Börse. Dank des Einsatzes von allen haben wir es geschafft, das sehr erfolgreich zu meistern. - Und auch aufgrund der Tatsache, dass wir ja bereits im Jahr zuvor, im Jahr 2012, Weichai Power als Ankerinvestor mit an Bord genommen hatten und damit schon einen ersten Schritt in eine neue stabile Investorenbasis gemacht hatten.

Waren Sie denn zu irgendeinem Zeitpunkt nervös oder hatten Sie Ängste, dass das vielleicht nicht so klappen könnte?

Ich glaube, ein bisschen Nervosität gehört immer mit dazu. Aber ich war die ganze Zeit zuversichtlich, dass wir das schaffen würden und diese Zuversicht war auch im Team die ganze Zeit zu spüren.


Wie sah dann die Wegstrecke zwischen dem Börsengang und der Situation heute aus?

Der Fokus in den letzten vier Jahren war vor allen Dingen darauf gerichtet, unsere Finanzierungsstruktur zu optimieren. Sicherlich ein wichtiger Meilenstein hier war die frühestmögliche Ablösung der Anleihe, die noch aus der Zeit von vor dem Börsengang stammte. Das war im Februar 2016. Und zum gleichen Zeitpunkt haben wir einen neuen flexiblen Kredit und eine Finanzierungslinie für das Unternehmen zu deutlich verbesserten Konditionen aufgenommen, mit deutlich höherer Flexibilität. So, wie es für etablierte Großunternehmen üblich ist.


Der Kauf von Dematic war der größte Zukauf in der Geschichte der KION Group. Wie sah es da auf der Finanzierungsseite aus? Was gab es da zu stemmen?

Um tatsächlich eine Akquisition von drei Milliarden stemmen zu können, waren all die erwähnten Schritte - die Gewinnung von Weichai Power als Ankeraktionär, der erfolgreiche Börsengang und dann die Refinanzierung – die Grundlage, um notwendige Freiheitsgrade zu schaffen.


Was sehen Sie denn als die wesentlichen Erfolgsfaktoren, dass das in so kurzer Zeit so gut geklappt hat?

Sicherlich ist wichtig, dass man den Fokus nicht verliert und tatsächlich permanent darauf achtet, dass man bei dieser Reise, die man sich vorgenommen hat, auch in jedem Jahr ein Stückchen vorankommt. Am Ende aller Tage ist es natürlich der Erfolg von allen und nicht nur der Finanzabteilung. Letztlich haben alle 23.000 Mitarbeiter mit den Erfolgen, die wir in unseren Einheiten erzielt haben, dazu beigetragen, dass wir das Unternehmen als Ganzes nach vorne entwickelt haben.

"Am Ende aller Tage ist es natürlich der Erfolg von allen und nicht nur der Finanzabteilung"


Thomas Toepfer

Chief Financial Officer (CFO) der KION Group

Zuletzt, Herr Toepfer, ein Blick nach vorne. Wie geht es weiter? Wie positionieren Sie sich, welches sind die Perspektiven?

Mit dem Kauf von Dematic und den beiden Kernsegmenten Industrial Trucks & Services und Supply Chain Solutions sind wir wirklich perfekt positioniert, um von wichtigen Trends - Industrie 4.0, Digitalisierung, starkes Wachstum im E-Commerce - umfassend profitieren zu können und unseren Kunden ein integriertes Angebot machen zu können. Insofern haben wir mit Dematic einen ganz entscheidenden Schritt gemacht. Auf der anderen Seite halten wir natürlich an unserer bewährten konservativen Finanzierungspolitik fest und wollen uns im sogenannten soliden Crossover-Umfeld weiter aufhalten. Und das heißt für uns auch jetzt wieder, nachdem wir eine Akquisition getätigt haben, den Fokus auf die rasche Entschuldung und Konsolidierung unserer Finanzen zu richten.

Und dann gab es noch ein Bonbon von Agenturseite?

Das ist richtig. Wir haben jetzt im Januar 2017 das erste Mal ein Investment Grade Rating von Fitch erhalten. Das ist sicherlich ein Bonbon, aber noch nicht die Krönung, sondern es ist einfach ein Beweis dafür, dass auch von außen honoriert wird, dass sich KION deutlich weiterentwickelt hat in den letzten Jahren.