Dematic in China auf Wachstumskurs

Durch ein Fenster im Büro fällt der Blick in das Lager der Firma Le Ren Tang mit zehn Hochregalen. Gelbe Regalbediengeräte mit Dematic Schriftzug surren in den engen Gängen hin und her und bringen blaue Paletten mit Kartons zu Sortierpunkten. Die Gassen müssen dafür nur 20 Zentimeterbreiter sein als das Lagergut. An den Sortierpunkten stehen vereinzelt Mitarbeiter, lesen die Codes an den Kartons ein und legen sie dann auf einen Rollenförderer, der sie zum Versand gleiten lässt. Am Endpunkt des Systems rattern Kartons auf Förderbändern in die Halle und verteilen sich wie von Geisterhand auf mehrere Versandgassen. Die Gleitschuhsortierer an den Weichen müssen sich ständig verstellen – und schaffen trotzdem bis zu 5.000 Kartons pro Stunde. Packer stapeln sie auf einheitliche blaue Paletten. Von dort aus müssen die Kartons nur noch quer durch die Halle zu den Lastwagenrampen. In den Verpackungen stecken Medikamente verschiedener in- und ausländischer Hersteller: Schmerzmittel, Hustensäfte, Salben.

Das zum Staatskonzern Sinopharm gehörende Unternehmen Le Ren Tang ist einer der größten Distributeure für Arzneien in der nordchinesischen Provinz Hebei, deren Hauptstadt Shijiazhuang der Firmensitz ist. Das Ende 2010 eröffnete Lagerhaus der Firma schlägt im Jahr Ware im Wert von rund 30 Milliarden Yuan, umgerechnet rund vier Milliarden Euro, um – mit nur 60 Arbeitern. Kunden sind Krankenhäuser in der Provinz Hebei oder kleinere Distributoren, die an Kreiskrankenhäuser in Kleinstädten liefern. Das Geschäft boomt. Laut Zhai Dongmei, der Leiterin des Le Ren Tang Logistikzentrums, wächst der Umsatz jedes Jahr um 25 Prozent.

„Unsere Fehlertoleranz ist gleich Null": Dematic als zuverlässiger Partner

Eine effiziente Intralogistik sei essentiell für das Unternehmen, sagt Betriebsleiter Zhu Fan. Dematic habe man ausgewählt, da das Unternehmen weltweit führend ist und Gesamtlösungen anbieten kann. Neben dem vollautomatischen Hochregallager und der Sortieranlage für den Versand hat Le Ren Tang auch ein System zum Verpacken einzelner Medikamente von Dematic: mit sprachgesteuerter und Pick-by-Light-Kommissionierung. Dabei erhält der Kommissionierer entweder über einen Kopfhörer Sprachanweisungen oder wird von Lichtsignalen zum richtigen Lagerfach geleitet. Dort nimmt er das Medikament und legt es in blaue Versandbehälter für einzelne Kunden, die wiederum über Rollförderer zu einer Packstation gelangen.

"Unsere Fehlertoleranz ist gleich Null. Das System muss also sehr zuverlässig sein."


Zhu Fan

Betriebsleiter bei Le Ren Tang

Seit 20 Jahren ist Dematic in China aktiv. Heute ist das Unternehmen dort mit knapp 80 Kunden einer der führenden Anbieter für Intralogistik. Es bedient das oberste Segment: die Spitzengruppe der Kunden, die das Beste wollen und bereit sind, dafür auch Geld in die Hand zu nehmen. Es sind in der Regel größere, besonders komplexe und hochautomatisierte Projekte mit Sortiermaschinen, superschnellen Förderbändern und kompletter Systemintegration. In den letzten fünf Jahren wuchs das Geschäft im Schnitt um je 15 Prozent. Kein Wunder, dass China als einer der am schnellsten wachsenden Märkte sehr wichtig für Dematic, dem jüngsten Mitglied der KION Group, ist.

Deutlich macht das ein Vergleich: Während in den USA die Ausgaben für Logistik bei sieben bis neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, sind es in China 17 Prozent. Ein Hinweis, dass die Logistik in China noch nicht ganz so effizient ist wie in Industrieländern. Denn, wissen Experten, es wird zu viel Geld ausgegeben, zu viel mit der Hand gemacht. Lastwagen sind oft nicht ausgelastet.

Aber auch in China werden Arbeitskräfte knapp und teurer, so dass immer mehr Firmen auf Automatisierung ihrer Lager- und Versandlogistik setzen. Die Dematic Kunden stammen vor allem aus den Sektoren Bekleidung, Nahrungs- und Genussmittel, Pharma und dem in China rasant wachsenden Online-Handel. Einer der größten Kunden ist die Bekleidungskette Hailan Hong mit mehr als 5.000 Läden, die allein in einem einzigen Lagerhaus Dematic Förderbänder mit mehr als 20 Kilometern Länge betreibt.

Die China-Zentrale von Dematic sitzt in Shanghai. Im nahe gelegenen Suzhou produziert das Unternehmen Hardware für Regalbediengeräte und Förderbänder. Gefragt sind vor allem automatische Hochregallager mit bis zu 40 Metern Höhe, schnelle Förder- und Sortiersysteme sowie komplexe Komplettlösungen. Nur wenige haben damit so viel Erfahrung wie Dematic. Zudem wächst das Interesse an der so genannten Ware-zu-Person-Kommissionierung, bei der Behälter in hohem Tempo zu einer Sortierstation gebracht werden, an der Mitarbeiter die Ware herausnehmen und für spezifische Kundenbestellungen zusammenstellen.

Jede Branche hat besondere Anforderungen an die Intralogistik. „Unsere Fehlertoleranz ist gleich Null. Denn jedes Mal, wenn wir Arzneien an die falsche Person ausliefern, ist das ein womöglich tödliches Risiko", sagt Zhu Fan. Und weil die Ware wertvoll sei, könne sich Le Ren Tang außerdem keine Ausfallzeiten erlauben. „Das System muss also sehr zuverlässig sein." Zhu lobt zudem den Dematic Wartungsdienst. Serviceingenieure seien stets ansprechbar und kommen zweimal im Jahr für eine Generalwartung vorbei.

Dematic ist in China klar auf Wachstumskurs, das Ziel heißt Marktführerschaft. Wichtig dafür: die Produkte stärker den örtlichen Bedürfnissen anzupassen – nicht nur, um sie günstiger anbieten zu können. Denn, so weiß man bei Dematic, die anspruchsvollen chinesische Kunden erwarten, dass etwa die Software und das Engineering lokalisiert sind, auch wegen der Sprache.

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