Compliance bei KION

Missachtung hat ihren Preis

Compliance bedeutet Gesetze, Verordnungen und unternehmensinterne Verhaltensregeln einzuhalten. Für globale Konzerne wie die KION Group ist dies von zentraler Bedeutung.

2015-09-22

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Interview Ruth Schorn, Head of Corporate Compliance und Chief Compliance Officer


Frau Schorn, in der Unternehmenswelt ist Compliance in aller Munde. Woher das plötzliche Interesse?

Eigentlich ist Compliance nichts neues – es beschreibt das Einhalten von Gesetzen und unternehmensinternem Regelwerk. Allerdings zeigt sich, dass allgemeine Hinweise des Managements auf die Existenz dieser Regeln alleine nicht ausreicht. Mitarbeiter, vor allem in bestimmten Risikobereichen, brauchen eine spezielle Ansprache, um für Gefahren der Verletzung zu beachtender Regeln sensibilisiert zu werden. Unter anderem das leistet die Compliance-Abteilung eines Unternehmens.


Die Unternehmensskandale der vergangenen Jahre haben sicherlich dazu beigetragen, dass Firmen von sich aus immer stärker auf Compliance achten?

Das zum einen. Zum anderen sind die Gesetze, auch international, verschärft worden. Dementsprechend hat die Rechtsprechung der Gerichte und der Ermittlungseifer von Staatsanwaltschaft und Polizei zugenommen. Unfälle am Arbeitsplatz, die möglicherweise aufgrund der Verletzung von Arbeitssicherheitsregeln zustande kamen, werden genauso aufmerksam verfolgt wie der „Klassiker“ Korruption. Insgesamt herrscht im öffentlichen Bewusstsein eine größere Sensibilität für die Verletzung von Gesetzen und Regeln in Unternehmen. Die Medien haben dazu auch einen Beitrag geleistet.


Ist die Unternehmenswelt also durch und durch sensibilisiert für das Thema?

Bei den an der Börse gelisteten Unternehmen kann man davon ausgehen, dass eine hinreichende Sensibilisierung für das Thema besteht. Aber natürlich sollte jedes Unternehmen seine Compliance Risiken kennen und entsprechende Maßnahmen entwickeln. Von der Qualität dieser Maßnahmen – dem Compliance-Programm – kann unter Umständen das Zustandekommen eines Geschäfts abhängen, je nachdem, welche Compliance Anforderungen der Geschäftspartner stellt, zum Beispiel wenn er die verbindliche Bestätigung verlangt, dass bei KION, aber auch in unserer Zulieferkette, keine Kinderarbeit stattfindet.


Compliance außer Acht zu lassen kann also teuer werden?

Sehr sogar. So können zum Beispiel die Bußgelder, die inzwischen gegen Unternehmen in Fällen von Kartellverstößen verhängt werden, drastisch sein. Und für Straftaten ist erst vor kurzem der Bußgeldrahmen gegen Unternehmen in Deutschland von fünf auf zehn Millionen Euro erhöht worden. Dazu kommt, dass auch der einzelne Manager vor Haftung nicht geschützt ist. Es gilt mehr denn je der Satz: If you think Compliance is expensive, try non-compliance.


Dr. Ruth Schorn, LL.M.

Ruth Schorn ist seit März 2015 Chief Compliance Officer und Head of Corporate Compliance der KION Group. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Köln und zweijährigem Studium in Paris war sie 13 Jahre in verschiedenen Funktionen für den Energieversorger RWE tätig, unter anderem 5 Jahre als politische Referentin in Brüssel, später als Leiterin Nationale Politik und zuletzt mehrere Jahre als Chief Compliance Officer mit Zuständigkeit für den gesamten RWE Konzern.


Vermutlich wird es nicht reichen, die Regeln und Richtlinien per Email an die Beschäftigten zu schicken, um sie zu überzeugen?

Das Thema Compliance muss gelebt werden – von jedem Einzelnen. Und es muss vorgelebt werden, hier sind besonders die Führungskräfte gefragt. Das fängt schon beim Gang durch unsere Produktionsstätten und der Einhaltung der Sicherheits- und Arbeitsschutzregeln dort an. In den anderen Funktionen spielen eher Themen wie der Umgang mit Kunden oder Zulieferern eine Rolle – darf ich z. B. Einladungen zur Pflege des geschäftlichen Kontakts aussprechen oder Geschenke annehmen. Führungskräfte müssen durch ihr Verhalten den Mitarbeitern Orientierung für richtiges Verhalten geben. In Zweifelsfällen bietet die Compliance Abteilung Unterstützung und berät.


Wie stellen Sie sicher, dass Compliance nicht das Schicksal von wohlmeinenden Warnhinweisen erleidet und irgendwann mit einem Schulterzucken quittiert wird?

Indem wir insbesondere in Schulungen und Gesprächen vermitteln, dass Compliance die eigene Arbeit, das eigene Handeln bestimmt und nicht die Angelegenheit einer einzelnen Abteilung ist. Dazu schulen wir Unternehmensbereiche entsprechend ihres Arbeitsumfeldes und verwenden Fälle aus ihrer konkreten Arbeitswelt, die wir die Kolleginnen und Kollegen selbst lösen lassen. Bei einer Schulung der IT-Kollegen beispielsweise haben wir den – fiktiven – Fall mitgebracht, dass der Anbieter eines verbesserten IT-Tools der Schwager eines Mitarbeiters war.

Aber Compliance muss ein Dauerbrenner sein, indem es beispielsweise regelmäßig in Reden des Vorstandes aufgegriffen wird. Da spielt Kommunikation eine entscheidende Rolle.


Wann wissen Sie, dass Sie Erfolg haben?

Wenn wir den Eindruck haben, dass Compliance bei konkreten Business Entscheidungen und im täglichen Arbeitsleben der Kolleginnen und Kollegen mit-bedacht wird. Wir merken das – insbesondere nach Schulungen – wenn wir viele Anrufe und Anfragen bekommen, also insgesamt als Compliance Abteilung „nachgefragt“ werden. Und nicht zuletzt haben wir Erfolg , wenn bei den Mitarbeitern in einer zweifelhaften Situation im Kopf eine kleine Warnleuchte angeht.


Woran arbeiten Sie gerade verstärkt?

Wir arbeiten zum Beispiel an der Einführung von Business Partner Checks, um Compliance-Risiken zu begegnen, die sich aus Geschäftsbeziehungen ergeben können (wie z.B. passive Bestechung). Außerdem arbeiten wir daran, Mitarbeiter für die Compliance-Risiken ihres Arbeitsgebietes zu sensibilisieren; dies schließt sowohl administrative als auch operative Funktionen ein. Deswegen bin ich derzeit auch viel unterwegs. Man muss sichtbar sein und sich austauschen. Daher treffen sich dieses Jahr erstmalig die Compliance Beauftragten zum fachlichen Austausch und Netzwerken.


Was schätzen Sie bei der KION Group besonders?

Zum einen die Internationalität des Konzerns, die das Arbeiten sehr spannend und abwechslungsreich macht. Dazu kommt die relativ flache Hierarchie. Zudem ist die Art und Weise, wie kommuniziert wird und Informationen ausgetaucht werden hier sehr unkompliziert. Und das ist besonders für einen Compliance-Menschen wie mich extrem wichtig. Ich habe hier tolle, offene Kolleginnen und Kollegen quer durch alle Unternehmensbereiche und Standorte getroffen, mit denen es Spaß macht zu arbeiten.