KION Stříbro

Die Smart Factory auf der grünen Wiese

Die KION Group expandiert in Richtung Zukunft: In Tschechien entsteht derzeit das modernste Werk.

2015-11-11

Drucken

Ein Jahr nach dem ersten Spatenstich sieht alles schon fast fertig aus: Strahlend weiß ragt der Quader in den blauen Herbsthimmel. Nur dass einige Landschaftsgärtner noch letzte Hand an Außenanlegen legen und Straßenmarkierung aufgemalt werden, deutet darauf hin, dass an dem neuen Werk der KION Group im tschechischen Stříbro, gerade einmal 40 Kilometer hinter der Grenze zu Deutschland gelegen, noch das eine oder andere zu tun ist. Besonders im Inneren: Techniker waren zunächst noch damit beschäftigt, Lackieranlage, Fördersysteme und Prüfeinrichtungen in Betrieb zu nehmen. Denn hier entsteht das modernste Werk der KION Group: eine Smart Factory.


Näher an den Wachstumsmärkten, näher am Kunden

Stříbro ist ein malerisches Städtchen mit rund 8.000 Einwohnern im Westen Tschechiens, in der Nähe von Pilsen. Der Stadtname bedeutet auf Deutsch „Silber" und erinnert an den dortigen Silberbergbau im späten Mittelalter. Warum entsteht nun gerade hier ein neues Stapler-Werk? Da ist zum einen die lange industrielle Tradition der Region. Und natürlich: „Die KION Group will mit ihren Marken international wachsen und Marktanteile hinzugewinnen", erklärt Linde Chief Operating Officer Sabine Neuß. „Dabei setzen wir neben unserem Heimatmarkt Westeuropa und den Wachstumsmärkten Asien und USA auch auf Osteuropa. Wir wollen so näher an unsere Kunden rücken."


Im Herbst 2014 begannen die Bauarbeiten nahe Stříbro. Innerhalb eines Jahres entstand eine Smart Factory, eine Fabrik für die digitalisierte Produktion der Zukunft, auch bekannt als „Industrie 4.0“. Neue, moderne IT-Systeme wie EWM (Extended Warehouse Management) und MES (Manufacturing Execution System) unterstützen die Prozesse und sorgen zum Beispiel dafür, dass die Montage automatisiert und digital überwacht und gesteuert werden kann. Für die Ausstattung des Werks sind Investitionen in Höhe von 14 Millionen Euro vorgesehen.

Vernetzte Prozesse: die Smart Factory

„Die neuen IT-Systeme sind das Fundament für eine Smart Factory", erklärt Projektleiter Stefan Draude. „Erste Elemente, wie ein Realtime Process-Tracking und die Vernetzung der Prozesse, sind schon realisiert, weitere Elemente werden folgen." Gerade der Bau auf der grünen Wiese bot dabei die große Chance, Prozesse und Strukturen komplett neu zu planen und umzusetzen.


Projektleiter Draude zeigt sich zufrieden mit dem Verlauf der Arbeiten und dem Standort. „Tschechien liegt im Herzen Europas", sagt er. „Daraus ergeben sich viele Möglichkeiten für die Zukunft." Der Arbeitsmarkt biete qualifizierte Arbeitskräfte in einem wachsenden Wirtschaftsumfeld. Bei der Suche nach Fachkräften ist die KION Group neue Wege gegangen und setzte, unterstützt von Linde Kollegen in Tschechien, unter anderem auf Promotion-Touren oder Plakate an der nahen Autobahn, um für den neuen Standort zu werben. Rund 150 Menschen sollen zunächst in Stříbro arbeiten. Im Januar 2016 wird die Produktion anlaufen.


Etwa 12.000 Fahrzeuge können pro Jahr in Stříbro gebaut werden; zunächst wird die aktuelle Generation der Linde Schubmaststapler in das Werk verlagert, um einerseits die Produktion anzustoßen und andererseits das neue tschechische Team einzuarbeiten, wie Neuß erläutert. Gleichzeitig wird dadurch in Aschaffenburg dringend benötigter Freiraum geschaffen, um das Werk dort von Grund auf zu modernisieren.


Der Neubau wird Vorbild sein für andere neue Werke der KION Group. Dies gilt insbesondere für die IT-Systeme und die daraus abgeleiteten Prozesse. Darin liegt ja schließlich auch die besondere Expertise der KION Group: In der Intralogistik und dem Aufbau einer vernetzten Produktion. Umso besser, wenn man die eigenen Stärken auch tatsächlich voll für die Organisation der eigenen Fabriken ausspielen kann, wie Neuß erklärt: „Eine neue Fabrik ist eine fast einmalige Chance, auf der sogenannten grünen Wiese neue Ideen zu realisieren und ein Unternehmen somit deutlich voranzubringen."