45 Jahre deutsch-chinesische Beziehungen

"Unsere Erfolgsgeschichte geht auch nach 24 Jahren weiter"

Seit Deutschland und China 1972 ihre diplomatischen Beziehungen aufgenommen haben, investieren viele deutsche Unternehmen in China. Als eines der ersten hat die KION Group 1993 mit dem Joint Venture Linde Xiamen Fuß gefasst und profitiert seither von Chinas Wirtschaftswachstum. Eine Erfolgsgeschichte.

2017-10-06

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Als „Vater von Linde Xiamen“ – so bezeichnen ihn manche. Und meinen damit Andreas Fäth. Vor ihm liegen Dokumente und leicht vergilbte Fotos. Sehr vorsichtig nimmt er eines der Bilder aus dem Stapel und sagt aufgeregt: „Schauen Sie, das ist unser deutsch-chinesisches Projektvorbereitungsteam beim Spatenstich des Linde Werks in Xiamen 1993. Das da bin ich im Alter von 39 Jahren.“ Seine Augen leuchten auf, als er die Mitglieder des Kernteams auf dem Foto vorstellt: vier deutsche Vertreter von Linde und vier chinesische Vertreter des Staplerherstellers aus Xiamen. Zusammen sind es acht – eine chinesische Glückszahl.


Als das Foto gemacht wurde, begannen auch viele andere deutsch-chinesische Joint Ventures, in China Fuß zu fassen. Das war noch kaum vorstellbar, als die beiden Länder ihre diplomatischen Beziehungen im Jahre 1972 aufnahmen. Aber sie legte damals den Grundstein für erfolgreiche Projekte wie Linde Xiamen. Deutsche Investitionen in China sind seit 45 Jahren ein Beweis dafür, wie positiv sich die bilateralen Beziehungen entwickelt haben.


Fäth war einer der Glücklichen, die diese Entwicklung miterlebt haben. „Xiamen hatte zu dieser Zeit noch keine hohen Gebäude, es gab auch kaum Autos auf den Straßen und Linde Xiamen war nur eine Wiese. Da gab nichts in der Umgebung, es war regelrecht ländlich“, erinnert er sich. Aber durch die Zusammenarbeit des deutsch-chinesischen Teams entstand 1996 auf dem offenen Gelände ein großes Bürogebäude mit mehr als zehn Stockwerken und einem Gabelstaplerwerk, das 1:1 dem deutschen Standard entsprach mitsamt Nebengebäuden. Die neue Fabrik wurde noch im selben Jahr offiziell in Betrieb genommen. Von diesem Zeitpunkt an war die Firma der größte aus dem Ausland gegründete Zulieferer für Stapler in China und der Marktführer im Premiumsegment. 1999 wurde die Firma dann gänzlich zu einem in deutschem Besitz befindlichen Unternehmen und änderte 2005 seinen Namen in Linde (China) Forklift Truck Corp., Ltd.


Es ist durchaus verständlich, warum Andreas Fäth so sentimental wird. Schließlich ist Xiamen heute eine der wirtschaftlich am meisten entwickelten Städte in der Küstenregion Chinas mit einer Einwohnerzahl von fast vier Millionen, in die Höhe schießenden Wolkenkratzern und kompliziert verwobenen Verkehrsströmen. Die Szenerie, die sich noch vor 24 Jahren bot, existiert nicht mehr. Heute ist das Unternehmen Linde (China) zum Forschungs- und Entwicklungszentrum sowie Produktions-, Vertriebs- und Servicestützpunkt der KION Group in der Region Asien-Pazifik herangewachsen.


Der Vertrag zum Bau des Linde Werks in Xiamen wurde 1993 vom damaligen deutschen Kanzler Helmut Kohl und dem damaligen chinesischen Premierminister Li Peng in der Großen Halle des Volkes in Peking unterschrieben. Dieses Ereignis fiel mit dem „Asienkonzept“ der deutschen Regierung zusammen, das deutsche Unternehmen ermutigte, in Asien und insbesondere in China zu investieren. China seinerseits beschleunigte das Reformtempo und die Öffnung der Wirtschaft gemäß der berühmten „Southern-Tour“-Reden des Revolutionärs Deng Xiaoping von 1992, um noch attraktiver für ausländische Investitionen zu werden. Einige deutsche Unternehmen nutzten die Gelegenheit, um in den chinesischen Markt einzutreten. Nach über zwei Jahrzehnten haben sich diese „frühen Vögel“ wie die KION Group fest im chinesischen Markt etabliert.

Chingpong Quek, Vorstandsmitglied und Chief Asia Pacific Officer der KION Group, sieht den Grund für das auffallend schnelle Wachstum von Linde (China) als KIONs Markenunternehmen im chinesischen Markt vor allem in der gesunden Entwicklung der deutsch-chinesischen Beziehungen: „Die Regierungen von China und Deutschland haben deutsche Unternehmen dazu gedrängt, in China zu investieren, deswegen hatten wir vor 24 Jahren die Chance, in China Fuß zu fassen, die Initiative zu ergreifen und einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil zu gewinnen. Und jetzt genießt die Marke Linde einen extrem guten Ruf in China, hat einen Technologievorsprung und bietet einmalige Dienstleistungen an.“


Fäth freut sich über den Erfolg der KION Group in China in den vergangenen 24 Jahren und ist stolz darauf, dass er einen Beitrag zum Bau des Linde (China) Werks geleistet hat. Zwar hat er 1998 seine Arbeit in China beendet und ist zurück nach Deutschland gegangen; die Arbeitserfahrung in China ist jedoch eine seiner liebsten Erinnerungen, und bis heute pflegt er eine enge Freundschaft mit seinen chinesischen Kollegen. Als Senior Project Manager for Operations and Engineering bei der KION Group beschäftigt er sich auch heute noch mit Projekten rund um China, etwa dem Fabrikbetrieb und der produktbezogenen Unterstützung von Baoli, der KION Marke im Economy-Segment in Jingjang in der Jiangsu Region.


Bevor Baoli (Jiangsu) Forklift der KION Familie im Jahre 2009 beitrat, war das Unternehmen ursprünglich ein kleiner chinesischer Hersteller von Gabelstaplern. Nach dem Beitritt konnte sich Baoli auf die Stärke des Konzerns, sowie reichliche Ressourcen und eine vorteilhafte globale Stellung im Markt verlassen und expandierte außerhalb Chinas in weitere asiatische Länder, nach Europa und Amerika. Mit Händlern in über 80 Ländern ist es nun ein globaler Hersteller von Flurförderzeugen. Die KION Group konnte ihrerseits mit Baoli als Economy-Marke ihre Premium-Marke Linde auf dem chinesischen Markt perfekt ergänzen und ihren Marktanteil weiter ausbauen.


Die KION Group ruht sich nun aber nicht auf ihrem Erfolg aus. Um das erfolgreiche Wachstum in China weiter auszubauen und zu verfestigen, schloss die KION Group 2012 eine strategische Partnerschaft mit Shandong Heavy Industry, der Tochterfirma von Weichai Power, mit dem die KION Group einen langfristigen Ankerinvestor gefunden hat, der sie bei strategischen Managementzielen unterstützt und Stabilität schafft. Die Beziehung der beiden Unternehmen wurde dabei von Anfang an von einem gegenseitigen Vertrauen in- und Verständnis füreinander bestimmt. Mit dieser Zusammenarbeit kann KION außerdem auf die große Bekanntheit von Weichai Power im chinesischen Markt bauen, um seinen Marken eine größere Präsenz im lokalen Markt zu verschaffen. Die Bündelung der Kräfte von Weichai Power und der KION Group trieb die kulturelle Integration der zwei Unternehmen an und schaffte ein erfolgreiches Modell für eine langfristige und gewinnbringende Zusammenarbeit zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen.


All das erfüllt CP Quek mit großer Zuversicht bezüglich der Entwicklungsaussichten der KION Group in China: „Wir betrachten die Entwicklung der Beziehung zwischen Deutschland und China sehr optimistisch. Vor 24 Jahren haben wir sehr vorausschauend die Grundlage für den Erfolg im chinesischen Markt gelegt. Wir werden diese Erfolgsgeschichte auch in Zukunft weiterschreiben, indem wir dieselbe Einstellung zeigen und Gelegenheiten nutzen, wann immer sie sich ergeben.“


Drei Fragen an CP Quek

1. Wie war das allgemeine Umfeld für deutsche Investitionen in China als die Linde Werke 1993 in Xiamen eröffnet wurden?

Mit der Aufnahme der diplomatischen Beziehung 1972 begann der Handels-, Bildungs- und Kulturaustausch zwischen den beiden Ländern. Von 1992 an wuchsen die deutschen Investitionen in China rasant an, da aufgrund von Chinas Reform- und Öffnungspolitik sowie durch das „Asienkonzept“ der deutschen Regierung, das deutsche Industrie zu Investitionen ermutigte, ein günstiges wirtschaftliches Umfeld entstand. Dabei ging es zumeist um Investitionen in Groß- und Technologieprojekte. Linde China war eines dieser Unternehmen und investierte RMB 1,7 Milliarden (ca. 200 Mio US-Dollar).

2. Wie konnten Linde (China) und Baoli als deutsche Investitionen in China von der Entwicklung der Beziehung der beiden Länder profitieren?

Die positive Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehung bot ein stabiles politisches Umfeld für deutsche Firmen in China.

Deutschland steht Investitionen seiner Unternehmen in China sehr offen gegenüber und verfolgt eine pragmatische Herangehensweise. China fördert unterdessen ausländische Investitionen mit vorteilhaften Bedingungen und politischer Unterstützung.

Im Laufe seines rasanten Wachstums stand Linde (China) stets im Austausch mit dem Mutterunternehmen mit Blick auf Produktentwicklung, Produktion und Personalentwicklung. Heute ist Linde (China) der größte ausländische Anbieter von Material-Handling-Lösungen auf dem chinesischen Markt und Marktführer im Premiumsegment.

Auch Baoli - KION Marke für das Economy-Segment - profitiert von ihrem deutschen Hintergrund als Unterscheidungsmerkmal von den Scharen an ziemlich einheitlichen Marken im Economy-Segment in China. Mit der großartigen Unterstützung der KION Group konnte Baoli von einem kleinen, lokalen, chinesischen Gabelstaplerproduzenten zu einem internationalen Anbieter werden, dessen Geschäft in Asien, Europa und Lateinamerika zulegt.

3. China und Deutschland fördern bilateralen Austausch zu intelligenten Produktionsweisen und gründeten Arbeitsgruppen in diesem Feld wie auch bei der Industrie 4.0. Sehen Sie eine Möglichkeit wie die KION Group diese Zusammenarbeit für sich nutzen kann?

2015 hat China die „Made in China 2025“-Strategie vorgelegt, als Antwort auf das „Industrie 4.0“-Konzept, das Deutschland 2012 vorgestellt hatte. Beide Pläne sind Strategien, die an den Trend zur Digitalisierung anknüpfen.

Intelligente Produktion und Industrie 4.0 bieten Unternehmen enorme Möglichkeiten, ihr Potenzial auszuschöpfen, um Effizienz, Transparenz und Produktivität der Lieferkette zu erhöhen.

Die KION Group ist ideal aufgestellt, um am attraktiven und profitablen Wachstum teilzuhaben, das durch Megatrends wie Industrie 4.0, Digitalisierung und den Onlinehandel getrieben wird.


Hintergrund


Im Oktober 1972 flog der damalige Bundesaußenminister Walter Scheel nach Peking, um dort das Gemeinsame Kommuniqué zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Volksrepublik China zu unterzeichnen. Nur wenig früher, im Juli 1971, war US-Außenminister Henry Kissinger zu seinem ersten Geheimbesuch in Peking gewesen, der die Annäherung Amerikas an das damals weitgehend isolierte Land einleitete. Diese Zeit markiert den Beginn der Kooperation Chinas mit der Welt. 1975 reiste mit Helmut Schmidt erstmals ein Bundeskanzler nach China, zu Gesprächen mit Mao Zedong sowie mit Reformer Deng Xiaoping, damals stellvertretender Ministerpräsident. Dieser gab 1979 den Startschuss für Chinas Öffnungspolitik. Noch im gleichen Jahr unterschrieben Deutschland und China ein Abkommen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Die dafür nach Deutschland gereiste Delegation aus China trug noch Mao-Anzüge - doch der Wandel lag bereits in der Luft. In den Folgejahren investierten deutsche Großunternehmen aus der Industrie, Autobauer sowie zahlreiche Mittelständler in China, vorwiegend entlang der Küste. Die Förderung der Wirtschaft gewann zunehmend an Bedeutung. Das "Asien-Konzept" von Bundeskanzler Helmut Kohl beschrieb Asien und speziell China 1993 als Region mit ungeheurem Potenzial für deutsche Firmen. Große Wirtschaftsdelegationen gehören heute zu jedem Staatsbesuch in China.

Zwischen 1979 und Ende 2015 investierten die Deutschen kumuliert rund 69,5 Mrd. Euro in China. Umgekehrt hat sich der Bestand der chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland seit 2004 auf 2,2 Mrd. Euro versechsfacht. Das bilaterale Handelsvolumen lag nach Angaben der Deutschen Botschaft in China 2016 bei knapp 170 Mrd. Euro. 76 Mrd. Euro entfielen auf deutsche Exporte nach China; Deutschland importierte Waren für knapp 94 Mrd. Euro von dort - mehr als aus jedem anderen Land der Welt.

Die Deutsche Botschaft bezeichnet die Beziehungen heute als "freundschaftlich und gut". Bei dem Staatsbesuch von Präsident Xi Jinping 2014 in Deutschland wurden diese angehoben auf das Niveau einer “umfassenden strategischen Partnerschaft”. Beide Staaten arbeiten auch bei globalen Themen wie dem Klimawandel zusammen.