KION Group Auditor Julian Flügel

Über Grenzen hinaus

Beruf und Leistungssport unter einen Hut zu bekommen, klappt bei Julian Flügel prima. Der schnellste Deutsche beim Hamburg Marathon arbeitet bei der KION Group.

Umringt von Motorrädern erreicht Julian Flügel die Ziellinie. Kameras hier, Kameras dort. Sie senden den Debüterfolg des 28-jährigen Marathonläufers live, denn er kommt in Hamburg als erster Deutscher ins Ziel. Nur 2:15:39 Stunden hat er gebraucht. Wer so zügig unterwegs ist, hält sich nicht lange mit der Strecke auf, die bereits hinter ihm liegt. Julian Flügels Blick richtet sich nach vorne, in Richtung der Olympischen Spiele 2016. „Um die Qualifikation zu schaffen, müsste ich noch etwas schneller laufen“, sagt er. „Aber solange ich mich nicht verletze und diese kleine Chance habe, will ich versuchen, sie zu nutzen.“


Dafür trainiert er hart. Pro Woche addiert sich sein Pensum locker auf 150 Kilometer. Zwischen den Läufen meisterte er sein Studium, absolvierte sein Praktikum bei der KION Group im Internal Audit (Interne Revision) und schrieb 2012 seine Masterarbeit, ebenfalls bei KION in Wiesbaden.

30-Stunden-Woche vereinbart


Seit 2013 verdient er seine Brötchen als Auditor - „eine vorwiegend sitzende Tätigkeit“, wie Flügel betont. Er hat eine 30-Stunden-Woche vereinbart und profitiert von der Gleitzeitregelung bei der KION Group. Die Laufschuhe hat er genauso selbstverständlich im Gepäck wie den Laptop. „Ich bin sehr froh, dass ich bei KION Beruf und Sport so gut vereinbaren kann“, freut er sich. Julian Flügel genießt es, in verschiedenen Ländern bei allen Marken unterschiedliche Prozesse und Menschen kennenzulernen. „Wir prüfen und analysieren nicht nur, wir machen auch Verbesserungsvorschläge und geben nützliche Tipps und Anregungen“, erklärt der Auditor.

Erster Auftritt im deutschen Nationaltrikot


Julian Flügels Sportfaszination ist tief verwurzelt. Er spielte Fußball, Tennis und Tischtennis. Mit 16 entdeckte er seine Leidenschaft fürs pure Laufen. Schon nach einem Jahr fuhr er zu den Hessischen Jugendmeisterschaften, nach drei Jahren hatte er zu den Besten seiner Altersklasse aufgeschlossen.


Vor vier Jahren hat sich der Sportler der LG Telis Finanz Regensburg angeschlossen, dem erfolgreichsten deutschen Leichtathletikverein auf den Laufstecken. Hier bekommt er seine individuellen Trainingspläne, die jeden Tag und jede Woche anders aussehen, gewürzt mit Intervallläufen und hartem Tempobolzen. Etwa jeden zweiten Tag bespricht er Tagesform und Fortschritt mit seinem Trainer. Mehrmals im Jahr reist er mit den Regensburgern ins Trainingslager nach Portugal, Italien oder Holland.


Das Training zahlt sich aus. 2011 stand er bei Deutschen Meisterschaften dreimal auf dem Treppchen, als Zweiter und Dritter über verschiedene Distanzen. „Bei den Cross-Lauf-Europameisterschaften 2011 in Slowenien und 2013 in Serbien durfte ich im Nationaltrikot laufen“, berichtet Flügel nicht ohne Stolz: „Allein diese Teilnahmen waren große Erfolge für mich.“ Mit seinem letzten Ergebnis als 44. von mehr als 100 Läufern aus rund 30 Nationen gibt er sich jedoch noch nicht zufrieden. Eine Erkrankung hatte ihm beim Training aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Fokus auf längere Distanzen


Bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften 2013 in Ulm über 5.000 Meter wäre Julian Flügel gerne aufs Siegertreppchen gesprungen – mit Platz fünf verpasste er Rang drei knapp. Für ihn haben solche Wettkämpfe beinahe Trainingscharakter. „Für die kurze Strecke fehlt mir ein wenig die Grundschnelligkeit.“ Deshalb konzentriert er sich auf längere Distanzen und spielt dort seine Stärken aus. Beispielsweise beim Halbmarathon 2014. Den lief er in 1:05:48 Stunden – etwa vier Wochen vor dem Hamburgmarathon – und wurde damit Zweiter.


In den kommenden Wochen legt Julian Flügel eine Wettkampfpause ein. Jedoch nicht, um Urlaub zu machen, sondern um sich auf das nächste große Ziel vorzubereiten – den Frankfurter Marathon im Oktober 2014. Da die Strecke weniger Steigung hat als die in Hamburg, rechnet er mit einer etwas besseren Zeit. Vielleicht filmen die Kameramänner auf den Motorrädern dann seine Qualifikation für den Olympia-Marathon.