2020-04-23

Zwischen Historie und Moderne: Dematic automatisiert riesige Bibliotheken

Was haben die Bibliotheken der israelischen Nationalbibliothek, die Macquarie University Library in Australien und die Nationalbibliothek Kanadas – außer natürlich Büchern – gemeinsam? Bei allen dreien handelt es sich um architektonische Attraktionen. Doch auch hinter den Kulissen haben die Bibliotheken etwas gemein: Ein ausgeklügeltes, vollautomatisiertes System von Dematic, einer Tochter der KION Group, lagert die Schriftstücke aus und ein.

Beim jüngsten Projekt des Automatisierungsspezialisten Dematic trifft hochmoderne Technik auf Jahrhunderte alte Tradition: In der israelischen Nationalbibliothek installiert die Tochter der KION Group derzeit ein automatisches Kleinteilelager. 50.000 Behälter sind hier im Einsatz und lagern rund vier Millionen Exemplare der gesamten Kollektion – „eine enorme logistische Herausforderung“, wie Jessica Heinz, Leitung Marketing und Business Development von Dematic Central Europe, betont. Wird ein Buch über das bibliotheksinterne System bestellt, gelangt es automatisch an die Abholstation, an der ein Laserstrahl dem Mitarbeiter anzeigt, welches Exemplar zu entnehmen ist. Anschließend bringt ein Förderband den Behälter zurück an seinen ursprünglichen Lagerort – alles vollautomatisch. Mit dem von Dematic installierten System kann nicht nur eine schnellere Ausgabe der bestellten Exemplare garantiert werden, sondern die einzelnen, eingelagerten Werke und Wälzer werden auch besser geschützt, da sie so im wahrsten Sinne des Wortes weniger Berührungspunkten ausgesetzt sind.

Automatisierte Geschichte zum Anschauen

Der Neubau der israelischen „Quelle des Wissens“, wie die Nationalbibliothek auch ehrfurchtsvoll genannt wird, befindet sich in Jerusalem zwischen dem Parlament und dem israelischen Museum und wurde vom bekannten Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron gestaltet. Hier sind nicht nur die Bücher schnell an der Abholstation, sondern die Besucher visuell auch mitten im automatisierten Geschehen: Durch das großzügige Panoramafenster – ein weiterer architektonischer Hingucker in der spiralförmig angelegten Bibliothek – können Besucher den laufenden Betrieb direkt beobachten. Und in Echtzeit verfolgen, wie ein traditionsreiches Werk mit Hilfe von Hightech seinen Weg an den Bestelltisch findet. „In den Bibliotheken gibt es derzeit zwei Konzepte: Entweder sie präsentieren ihr automatisiertes Herzstück prominent und voller Stolz wie in Jerusalem, oder die Prozesse finden in unterirdischen Konfigurationen statt und bringen die bestellten Bücher quasi von Zauberhand, so wie in der Universitätsbibliothek in Chicago“, sagt Todd Hunter, Senior Account Manager für automatisierte Bibliothekssysteme bei Dematic.

Seit gut 25 Jahren stattet Dematic Bibliotheken und Archive auf der ganzen Welt mit (teil-) automatisierten Systemen aus, die meist nahezu den gesamten Bestand intelligent, effizient und kompakt lagern. „Sowohl Software als auch Hardware haben sich immens weiterentwickelt in den vergangenen Jahren und sind die Schlüsselfaktoren für verlässliche Lösungen, die sich an die individuellen Gegebenheiten vor Ort anpassen lassen“, erklärt Todd Hunter weiter. Hier setzt Dematic an und bietet skalierbare Systeme, die enorme Mengen an Werken beherbergen und via Software intelligent gesteuert und automatisiert werden können. Die damit einhergehenden Zahlen sind schwindelerregend: Inzwischen können insgesamt mehr als zehn Millionen individuelle Ausgaben an Büchern, Magazinen und Aufsätzen auf durchschnittlich einem Siebtel des Platzes im Vergleich zu herkömmlichen Bibliothekssystemen gelagert werden. Und dennoch dauert es maximal fünf Minuten vom finalen Klick der Online-Bestellung über das jeweilige Ausleihsystem der Bibliothek, bis die ausgesuchten Bücher abholbereit an der Station bereit liegen.

Prozesse beschleunigen, kollaborative Lernstätten fördern

Ein ausgeklügeltes System – das dennoch bei jedem Auftrag auf neue räumliche Gegebenheiten trifft. „Durch die verringerte Größe des Systems im Vergleich zu herkömmlichen Varianten können wichtige Faktoren wie Staub, Temperatur und Sonneneinstrahlung besser kontrolliert werden“, erläutert Todd Hunter. Auch die konkrete Einlagerung unterscheidet sich von Fall zu Fall: Während das Landesarchiv in Kanada beispielsweise eine Regallösung mit individuellen Boxen erhalten hat, sind die meisten Universitäts-Bibliotheken mit einer Behälterlösung ausgestattet. Hier werden bis zu 100 verschiedene Exemplare in einem Behälter gelagert, der mit einem Barcode versehen ist. Dieser gibt Auskunft über feste oder frei wählbare Orte der Einlagerung sowie über den Inhalt des Behälters.

„Natürlich soll das System Bestell- und Rückgabeprozesse beschleunigen und die wertvollen Kollektionen der Einrichtungen intelligent sortieren und aufbewahren“, beschreibt Todd Hunter die vielseitigen Vorteile. „Gleichzeitig trägt es aber auch dazu bei, dass in dem Bibliotheksgebäude mehr Raum für kollaboratives Lernen vorhanden ist und aus dem ‚Lagerhaus für Bücher‘ ein vielseitiger Ort des Lernens wird.“

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