2020-04-06

Raus aus der Werkstatt, ran an den Schreibtisch

Die Corona-Pandemie stellt die KION Group und ihre Marken vor Herausforderungen im Arbeitsalltag. Eine davon: Wie können die angehenden Maschinenbauer, Servicetechniker, Mechatroniker, Ingenieure, Kaufleute & Co. trotz der unplanmäßigen Umstände ihre Ausbildung im vorgesehenen Zeitrahmen vorantreiben bzw. vollenden? Dank individueller Betreuung, enormem Einsatz der Ausbilder und digitalen Möglichkeiten bleiben die Schüler und dualen Studenten bei allen relevanten Themen und Prüfungsvorbereitungen am Ball – bzw. virtuell am Stapler.

An einem Donnerstagabend erhielt Axel Hölzlwimmer, Auszubildender im ersten Lehrjahr bei der STILL Niederlassung München im Bereich Mechatronik, den ungewöhnlichen Anruf: Ab dem nächsten Tag werde seine Ausbildung erst einmal nach Hause verlagert. „Remote Ausbildung“, also Lernen von Zuhause aus, stand ab diesem Zeitpunkt auf dem Plan, statt den morgendlichen Weg in die Niederlassung anzutreten. So erging es den insgesamt knapp 270 Auszubildenden und dualen Studenten der KION-Töchter Linde Material Handling und STILL in ganz Deutschland. Und ebenso deren Ausbildern, die ebenfalls im Zuge der Schutz- und Präventionsmaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus samt Laptop an den heimischen Schreibtischen bleiben sollten. Keine Überraschung – und dennoch ein erheblicher Einschnitt in den Alltag aller Beteiligten.

Diese Situation stellt alle Verantwortlichen der KION-Marken vor einige Herausforderungen: Wie koordiniert man die Horde Wissbegieriger, wenn man selbst von zu Hause aus die Dinge regeln muss? Wie erklärt man Inhalte aus der Distanz, die man im Normalfall direkt am Stapler gezeigt hätte? Wie wird der Teil der Prüflinge unter diesen Rahmenbedingungen bestens auf die Abschlussarbeiten vorbereitet?

Theoretische Basis für praktische Herausforderungen schaffen

Fragen, die die Ausbilder der verschiedenen Fachbereiche bei Linde Material Handling und STILL pragmatisch, zielstrebig, zügig – und vor allem gemeinsam angingen. Die Lösung für das Hauptanliegen der Wissensvermittlung war beiderseits schnell geklärt: E-Learnings kombiniert mit einer intensiven Betreuung. „Zu Beginn war das natürlich für alle eine ungewohnte Situation, für die Auszubildenden ebenso wie für uns ein völlig neues Terrain“, sagt Christopher Lorenz, Ausbilder für den Bereich Mechatronik bei STILL in Hamburg. „Und auch wenn es mit viel Aufwand verbunden ist, da wir mit allen Azubis in täglichem, engem Kontakt stehen, sehen wir, dass die Motivation allerseits wirklich hoch ist.“ Auch, weil die Ausbilder beider Marken die Materialien austauschen und so ein umfangreiches Paket für alle Auszubildenden anbieten können.

Mit Hilfe von geeigneten Online-Tools waren die Lehrjahrgänge schnell eingeteilt und in Gruppen organisiert. Auf dem Programm: Diverse Lerneinheiten, die von Basic Knowledge für den Fachbereich über spezifischen Produkteinführungen der einzelnen Marken bis hin zu themenübergreifende Einheiten zur Lithium-Ionen-Technologie reichen. „Das war natürlich erst einmal ein komisches Gefühl, in eine monotone Schreibtisch-Aufgabe überzugehen, anstatt in der Werkstatt praktisch zu arbeiten“, erzählt Axel Hölzlwimmer von den Anfängen zu Hause. „Auch wenn es eher ungewöhnlich ist, so viel Theorie jetzt auf einmal zu bearbeiten, merkt man, dass wir hier wichtige Grundlagen lernen und so die Basis schaffen, die wir später in der Praxis anwenden können. Das, was wir lernen, hat Hand und Fuß.“

Dabei achten die Ausbilder auch darauf, dass trotz eingeschränkter Möglichkeiten so schnell keine Langeweile bei den Sprösslingen aufkommt: „Wir versuchen, so viel Abwechslung wie möglich anzubieten“, bekräftigt Jean-Christopher Klix, Leiter Vocational Training bei Linde Material Handling. Dazu gehört auch, zwischen die zahlreichen Theorieeinheiten ein wenig praktische Unterhaltung einzubauen. So erhielten die Auszubildenden von Christopher Lorenz zum Beispiel ein interaktives Lern-Kit. Darin enthalten: Ein Mikro-Controller, also ein kleines Ein-Chip-Computersystem, für das sie ein Programm schreiben müssen, um damit die integrierten LEDs zum Leuchten zu bringen. „Damit knüpfen sie an die in der Elektrotechnik gelernte Programmiersprache an – und können ihre kleinen Erfolge direkt sehen.“

Intensiver Austausch, erfolgreiche Zusammenarbeit

Noch vor den deutschen Kollegen sahen sich die Mitarbeiter bei Linde Material Handling in China mit der schwierigen Situation konfrontiert, dass sie von einem Tag auf den anderen nicht mehr einfach in die Werke vor Ort kommen konnten. Auch hier war eine kreative Lösung schnell geboren: Es bedurfte lediglich einer kurzen Telefonkonferenz, in der die Verantwortlichen das eigentliche Übungsprogramm im Werk in ein Online-Training umstrukturierten. „Wir haben den kurzzeitigen Rückgang beim Wartungsbedarf effizient gestaltet und die Zeit für eine Weiterbildung der Ingenieure genutzt“, berichtet Meng Qi, Service Technology Training Supervisor bei Linde China in Xiamen. Mit Erfolg: Knapp 93 Prozent der Teilnehmer der insgesamt 29 Onlinekurse, die im Rahmen des Service Technology Training Centers abgehalten wurden, absolvierten das Training mit Bravour.

Ob im Reich der Mitte oder in den KION-Werken in Deutschland: In ungewöhnlichen Zeiten sind ungewöhnliche Maßnahmen gefragt. Wenn man sich dann noch konzernübergreifend im Austausch der Ideen und Kreationen befindet, entstehen völlig neue, spannende Wege des Lernens. So zum Beispiel ein Fragenkatalog für die angehenden Industriemechaniker, der – ähnlich wie ein Online-Test bei theoretischen Fahrschulprüfungen – das Wissen anhand Multiple Choice-Fragen trainiert, . Ein Projekt, das in engem Austausch mit den Auszubildenden entstanden ist. Und ein besonders kreatives Resultat erzielte: Das von einem der Auszubildenden gestaltete Titelbild bring diese Zusammenarbeit auf den Punkt. Das Motiv: zwei Stapler von Linde Material Handling und STILL, die ihre ‚Last‘ gegenseitig tragen – ein Symbol für die gegenseitige Unterstützung der einzelnen KION-Marken.

Nachhaltige Lerneffekte für die Zukunft

Der Test wird nun weiter ausgebaut, um auch zukünftig Platz in den Lehrplänen der Auszubildenden beider Unternehmen zu finden. „Eine Krise stellt doch in den meisten Fällen auch eine Chance dar, so bekommt etwa die Digitalisierung im gesamten Bildungswesen einen Schub“, resümiert Jean-Christopher Klix. Denn neben den Themenblöcken der Ausbilder erhalten die Azubis auch digitales Material aus den Berufsschulen. Insgesamt sind sich die Ausbilder beider KION-Marken einig: „Die Zusammenarbeit funktioniert super, und wir kriegen das ziemlich gut hin.“ Und richten den Fokus weiter auf die positiven Entwicklungen, die in diesen turbulenten Tagen entstehen: Motivierte Auszubildende, effektive Lernprogramme, erfolgreiche Kollaborationen.

"Wir lernen hier wichtige Grundlagen und schaffen so die Basis, die wir später in der Praxis anwenden können. Das, was wir lernen, hat Hand und Fuß.“

Axel Hölzlwimmer , Auszubildender, Bereich Mechatronik bei STILL

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