Erste Hilfe in VR
2026-08-12 Menschen 2 minErste-Hilfe-Schulungen gehören zur Arbeitssicherheit. Doch für viele Mitarbeitende sind sie eher eine theoretische Pflichtübung als ein praxisnahes Training. Bei Dematic in Tschechien hat Virtual Reality das verändert.
Virtual Reality verändert bereits heute die Arbeitsweise in vielen Bereichen von KION. Sie hilft unseren Teams dabei, Projekte anschaulicher zu machen, Ideen wirkungsvoller zu testen und komplexe Abläufe unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben. Von der Fahrzeugentwicklung und der Schulung von Staplerfahrern über das Onboarding in der Produktion bis hin zu Testverfahren kommt VR in immer mehr Bereichen zum Einsatz. Nun wird die Technologie auch dort genutzt, wo praxisnahes Training womöglich lebensrettend ist: in der Ersten Hilfe.
Mehr Teilnehmer
„Innerhalb eines Jahres konnten wir die Zahl der Teilnehmer an unseren Kursen fast verdoppeln“, sagt Monika Hoffmannova, Head of EHS (Environment, Health and Safety) am Dematic-Standort Stříbro in Tschechien. Verpflichtend ist die jährliche Schulung lediglich für die rund 20 betrieblichen Ersthelferinnen und Ersthelfer am Standort. Im vergangenen Jahr nahmen dennoch fast alle Kolleginnen und Kollegen teil. Der simple Grund dafür ist laut Hoffmannova: „Es macht jetzt einfach Spaß!“
Der entscheidende Unterschied liegt im Format. Statt lediglich zuzuhören, probieren die Teilnehmenden während des größten Teils der Schulung selbst aus, worauf es ankommt. Mit einer VR-Brille finden sie sich in einem realistischen Notfallszenario wieder – beispielsweise auf einem U-Bahnsteig oder an einem Flussufer. Ihre Aufgabe ist es, schnell zu reagieren und bei einer Person mit Herz-Kreislauf-Stillstand eine Herzdruckmassage durchzuführen. Dabei erfasst das System, ob die Kompressionen schnell und kräftig genug ausgeführt werden, und gibt unmittelbar Rückmeldung.
Der Erfolg des VR-Trainings kam für das Team nicht überraschend, denn Virtual Reality ist bereits seit längerer Zeit fester Bestandteil des Onboardings. „VR gehört schon seit einiger Zeit zu unserem Trainingszentrum“, erklärt Jiri Cmolik, Senior Director Manufacturing EMEA: „Bei Dematic haben wir uns mit unserem Sicherheitsversprechen dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass alle Mitarbeitenden gut vorbereitet und sicher arbeiten können. Mit VR können wir Kolleginnen und Kollegen auf unterschiedlichste Situationen vorbereiten und ihnen vermitteln, wie sie sich richtig verhalten und reagieren.“
Leicht zugänglich
Der Reiz des Trainings liegt jedoch nicht allein im hohen Spaßfaktor. Ebenso wichtig ist die flexible Verfügbarkeit. Am Dematic-Standort Stříbro können Mitarbeiter das VR-Erste-Hilfe-Training einfach dann absolvieren, wenn es in ihren Arbeitsalltag passt – beispielsweise in der Mittagspause, vor einem verspätet beginnenden Meeting oder während eine Maschine gewartet wird. Die Schulungen finden im Trainingszentrum des Standorts statt, das auch für Produktschulungen und weitere Weiterbildungsangebote genutzt wird.
Die Hürden sind bewusst niedrig. Wird der Schulungsraum gerade nicht für eine andere Veranstaltung benötigt, können Mitarbeitende einfach vorbeikommen und nach dem VR-Erste-Hilfe-Training fragen. Trainer David Vácha gibt dann eine kurze Einführung, bevor die Teilnehmer die VR-Brille aufsetzen und mit der rund 20-minütigen Einheit beginnen. „Es ist auch die Chance, für einen Moment in eine völlig andere Welt einzutauchen“, sagt Hoffmannova: „Oft ist es genau diese Neugier, die die Menschen dazu bewegt, hereinzukommen.“
Hilfsbereitschaft
Die 20-minütige Einheit findet zwar in einer virtuellen Welt statt, die dabei vermittelten Fähigkeiten sind jedoch für reale Notfälle gedacht – und solche Notfälle treten viel zu häufig auf. Allein in Tschechien erleiden jedes Jahr rund 10.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. „In einem solchen Moment zählt jede Sekunde“, sagt Hoffmannova. „Bereits nach vier bis sechs Minuten ohne Sauerstoff können irreversible Hirnschäden eintreten. Ein Rettungswagen benötigt im Durchschnitt aber rund 15 Minuten bis zum Einsatzort.“
Der wichtigste Erfolg des Trainings besteht deshalb darin, dass die Mitarbeiter am Standort Stříbro jetzt besser auf reale Notfälle vorbereitet sind. Die Wirkung von Hoffmannovas Idee zeigt sich jedoch daran, dass das Training demnächst ausgeweitet wird. In Stříbro wird das Angebot bereits um ein VR-gestütztes Defibrillatortraining erweitert. Zudem plant Dematic, das Konzept auf weitere Standorte auszuweiten.
Ein erster Schritt ist bereits erfolgt: Im Rahmen der Gesundheitstage an einem deutschen Standort ermöglichte Hoffmannova auch ihren Kolleginnen und Kollegen in Deutschland die Teilnahme am VR-Kurs zur Ersten Hilfe.
FAQ
Durch den Einsatz von VR können Erste-Hilfe-Schulungen praxisnäher und abwechslungsreicher gestaltet werden. Statt überwiegend zuhören zu müssen, können die Teilnehmer in realitätsnahen virtuellen Szenarien selbst aktiv werden.
Beim VR-Erste-Hilfe-Training werden die Teilnehmenden mithilfe einer VR-Brille in realistische Notfallsituationen versetzt. Am Dematic-Standort Stříbro üben sie unter anderem den richtigen Umgang mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand sowie die Durchführung einer Herzdruckmassage.
Allein in Tschechien erleiden jedes Jahr rund 10.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Bereits nach vier bis sechs Minuten ohne Sauerstoff können irreversible Hirnschäden eintreten.
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