Wie gibt man zurück?

Gesellschaft

Indem man anpackt. Mitarbeiter von Dematic engagieren sich für Bedürftige.

Zwei Nachbarländer, eine Firma, ein Gedanke: Mitarbeiter von Dematic in Salt Lake City, USA, und Monterrey, Mexiko, engagieren sich ehrenamtlich in ihren Gemeinden.

Leuchtende Kinderaugen und volle Mägen Durch soziales Engagement geben Dematic Mitarbeiter in Mexiko und in den USA der Gesellschaft etwas zurück.

Brians Augen blitzen vor Begeisterung, als er das Paket aufreißt, das er von einem Dematic Mitarbeiter geschenkt bekommen hat. Denn die Turnschuhe und die neue Jeans kann er wirklich gut gebrauchen. „Imperio de Amor“ – „Reich der Liebe“ – ist ein großes Wort für die einfache Einrichtung mit Plastikstühlen, Kachelboden und einem großen selbstgemalten Graffiti auf dem betonierten Fußballplatz. Damit die Dematic Mitarbeiter ihre ganz persönlichen Geschenke abliefern konnten, musste sich ihr Bus erst über eine abenteuerliche Straße mit tiefen Schlaglöchern quälen. Aber „Imperio de Amor“ ist eine Bleibe für Kinder aus dem Stadtteil Juarez in der nordmexikanischen Stadt Monterrey, Hier bekommen die Vier- bis Siebzehnjährigen drei Mal am Tag Essen, Hausaufgabenhilfe und Aufmerksamkeit. Dinge, die ihnen ihre Eltern und Großeltern nicht geben können, durch Gewalt in der Familie oder Drogenmissbrauch, aus Armut und manchmal auch aus Überforderung.

Schenken ist schön – für die Beschenkten genauso wie für die Schenkenden.

Die vielen Spielsachen werden liebevoll eingepackt. Eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nimmt, die sich Veronica Muñoz aber nur zu gerne nimmt.

Zeit und Zuneigung schenken

Das neue Dematic Werk in Monterrey mit den klimatisierten Büros, den Hochleistungsrechnern und dem schick designten Vorplatz liegt nicht weit weg vom „Imperio de Amor“, doch liegen schon dem Augenschein nach Welten dazwischen. Wie so oft in Mexiko sind hier die Kontraste riesig. Aber heute wollen die Mitarbeiter 75 Kinder mit Geschenken glücklich machen. Wochenlang hatte Veronica Muñoz, Mitarbeiterin in der Personalabteilung von Dematic Monterrey, die Sammlung koordiniert.

Denn jedes Kind sollte neue Kleidung oder Schuhe in der richtigen Größe bekommen. In Veronicas Büro stapeln sich die bunt eingepackten Pakete mit den Kindernamen darauf. Wer von ihren Kollegen es zeitlich einrichten kann, begleitet sie zum „Imperio de Amor“. Dort überreichen sie gemeinsam die Geschenke und verbringen den restlichen Nachmittag mit den Kindern.

Die Kinder freuen sich nicht nur über die Geschenke. Auch die Aufmerksamkeit tut ihnen gut.

Einfluss nehmen, Erlebnisse teilen

Eduardo Domingo, Direktor von „Imperio de Amor“, freut sich über die großzügigen Besucher. „Wir haben nie genug Mittel zur Verfügung. Wenn Dematic kommt, ist das wie ein Gebet, das erhört wurde“, so der zurückhaltende Mann mit den kurz geschorenen Haaren, den die Kinder „Lalo“ nennen.

„Ich finde unsere Aktion sehr gut, weil es wirklich von Herzen kommt“, sagt Jeffrey Trevino von Dematic, der schon zum zweiten Mal mit dabei ist. Er hat für eine 13-Jährige Turnschuhe gekauft, die sie scheu entgegennimmt. „Es ist so einfach für mich, ihr nur ein bisschen was von mir zu geben. Es ist gar nicht viel, aber die Kinder brauchen Liebe.“

Wir haben nie genug Mittel zur Verfügung. Wenn Dematic kommt, ist das wie ein Gebet, das erhört wurde.

Eduardo Domingo
Leiter
Imperio de Amor
Initiativen wie die der Dematic Mitarbeiter bringen Menschen zusammen und stärken die Gesellschaft. Motivierend und unbezahlbar, findet Sandra Leyva Martinez.

Und die Dankbarkeit der Beschenkten ist riesig. Sie singen im Chor zu Lalos Gitarrenbegleitung ein kleines Ständchen und laufen dann durch den Raum. „Gracias“, „muchas gracias“ – Kinderarme schlingen sich wahllos um jeden, der gekommen ist. Ein Mädchen drückt Sandra Leyva einen selbstgeschriebenen Zettel in die Hand: „Wir lieben euch. Danke für alles, was ihr von Dematic gemacht habt. Gott segne euch“, steht da in runder Kinderhandschrift. Die Rührung sieht man Sandra an, schnell wischt sie sich eine Träne weg.

„Zusammenarbeit ist der Motor, der uns als Mitarbeiter von Dematic dazu antreibt, uns in der Gemeinschaft zu engagieren, in der wir auch arbeiten. Egal, wo wir uns freiwillig engagieren, uns ist der positive Einfluss wichtig“, sagt sie später.

Im Team die Tafel unterstützen

Das sehen ihre Dematic Kollegen 2.500 Kilometer weiter nördlich genauso – in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah. Denn warum sonst sollte man an einem Samstagmorgen um 6 Uhr aus dem Bett kriechen, um in einem Lagerhaus Dosen in Pappkartons zu sortieren? Der Grund ist das amerikanische Konzept des „Giving back“ – denjenigen zu helfen, die gerade eine harte Zeit in ihrem Leben durchmachen, denen es schlechter geht als einem selbst. So erklärt es Eliza Borysiuk, Verwaltungsassistentin bei Dematic Salt Lake City, die die Spendenaktion für die Food Bank Utah – eine Tafel für Bedürftige – unter ihren Kollegen organisiert hat: „Sich freiwillig zu engagieren, ist ein großer Teil meines Lebens geworden, und ich wollte das auch in mein berufliches Leben integrieren. Es ist aufregend und es macht Spaß, zusammen etwas Gutes zu tun.“ Sowohl die Personalabteilung als auch Werksleiter Don Davis unterstützten ihre Idee.

2.500 km trennen die Kollegen in Monterrey und Salt Lake City. Doch den Wunsch, etwas für die Gesellschaft zu tun, haben sie gemein.

Es ist aufregend und es macht Spaß, zusammen etwas Gutes zu tun.

Eliza Borysiuk
Verwaltungsassistentin
Dematic

Zusammen anpacken, um anderen zu helfen Für Eliza Borysiuk und ihre Kollegen eine Selbstverständlichkeit.

Kistenweise wird die gespendete Ware verladen.

Mit Dosen und Decken Gutes tun

Die Dematic Mitarbeiter zeigten sich bei dem Spendenaufruf großzügig wie ihre Kollegen in Mexiko: Und so stapelten sich bald Erdnussbutter, Nudelgerichte und andere Dosenmahlzeiten für die Food Bank, sowie Decken, Windeln, warme Mäntel und Socken in allen Größen für ein zweites soziales Projekt, das „Road Home“ für Obdachlose, in den Gängen. Es war so viel, dass die Spenden mit Handkarren zum Abtransport in mehrere gemietete Großraumwagen geladen werden mussten.

Doch bei den Spenden bleibt es nicht. Zusätzlich stehen Eliza, Manager Don und ein Dutzend weiterer Dematic Kollegen an diesem Samstagmorgen an einem Fließband und packen Kartons mit Pasta, Gemüse- und Fruchtdosen, Frühstücksflocken und Säften. Jeder ist für ein Nahrungsmittel verantwortlich. Das spezielle Projekt der Food Bank nennt sich „Community Supplement Food Program“ (CSFP). Dabei wird das Essen persönlich zu Bedürftigen gebracht, die zu krank, zu schwach oder zu alt sind, sich ihre Nahrungsmittel selbst abzuholen.

Lebensmittel werden dringend benötigt. Die Kartons werden an die Bedürftigen geliefert, die wegen ihrer Krankheit oder ihres Alters nicht in der Lage sind, die Spenden abzuholen.

Hilfe für die Menschen in der Nachbarschaft

Die Utah Food Bank ist die größte Tafel in dem Mormonen-Staat und beliefert über 140 Partnerorganisationen. Wenn Mahina Jones, Koordinatorin für die Ehrenamtlichen, die Musikanlage laut aufdreht, macht den Ehrenamtlichen das Packen sichtlich Spaß. Die Kartons rollen am Fließband von Hand zu Hand, die Stimmung ist bestens. Nach zwei Stunden sind 15 Paletten leer, 500 Pakete voll und Koordinatorin Mahina Jones ist zufrieden. „Ohne unsere Freiwilligen könnten wir das gar nicht leisten. Im vergangenen Jahr hatten wir so viele Freiwilligen-Stunden, dass es vierzig Festangestellte ersetzt hat“, sagt Jones. Das seien vierzig Gehälter, die nicht hätten gezahlt werden müssen. Das gesparte Geld sei direkt in die Nahrungsmittel der Food Bank geflossen.

„Im Moment passieren so viele schlimme Sachen überall auf der Welt, Erdbeben und Wirbelstürme und Massenschießereien. Aber auch in unserem eigenen Hinterhof gibt es Menschen, die Hunger haben, sie brauchen warme Kleidung und Nahrung“, sagt Dematic Manager Don am Ende seiner Schicht.

Aber auch in unserem eigenen Hinterhof gibt es Menschen, die Hunger haben, sie brauchen warme Kleidung und Nahrung.

Don Davis
Werksleiter
Dematic
Es sind nur einige Stunden investierte Zeit. Aber für die Kinder und die Bedürftigen – und auch für die Dematic Mitarbeiter – bedeuten die Aktionen sehr viel.