Was tun, wenn der Lack ab ist?

Umwelt

Aufmöbeln statt aussortieren.KION geht gegen Gebrauchsspuren an Gabelstaplern vor.

Alten Gabelstaplern sieht man ihre Jahre im harten Einsatz für die Kunden oft an. Aber es steckt noch jede Menge in ihnen. Linde MH EMEA hat in Tschechien ein neues Aufbereitungszentrum für gebrauchte Flurförderzeuge eröffnet. Die Mission: Den betagten Geräten für die Vertriebsregion Mittel- und Osteuropa neues Leben einzuhauchen.

Praktisch wie neu Die professionelle Aufbereitung bringt Chassis, Motor und Batterie wieder in einen Top-Zustand.

In Velké Bílovice werden jährlich etwa 1.000 Stapler auf Vordermann gebracht.

Gebrauchte Stapler gehören noch nicht zum alten Eisen.

Josef Slimáček
Werksleiter Aufbereitungszentrum
Velké Bílovice

Wie ein Astronaut sieht er aus, der Mann im Schutzanzug, der die wuchtigen Metallteile stahlstrahlt. Die kleinen, nicht einmal nadelkopfgroßen Metallkügelchen schießen durch die Luft und machen die Arbeit nur in einem solchen Anzug möglich. Die Luft im Schutzraum ist warm, staubig und riecht nach Metall. Nach nicht einmal zehn Minuten ist der Arbeiter fertig und tritt heraus. Am Chassis des Linde H30 Staplers ist nun keine Spur mehr von Dreck, Rost und dem roten Farbabstrich vorhanden.

Alles ist nun klar für die nächsten Arbeitsschritte. Josef Slimáček, der Werksleiter des neuen Aufbereitungszentrums im südtschechischen Velké Bílovice, hat seinem Kollegen im Schutzraum durch ein kleines Fenster zugesehen. „Gebrauchte Stapler gehören noch nicht zum alten Eisen“, sagt er bestimmt. „Seit September 2017 arbeiten 50 Kollegen daran, Kandidaten wie diesen fit zu machen für ein zweites Leben. Jährlich können wir 1.000 Geräte aufbereiten, langfristig sogar 1.500. Damit leistet unser Werk einen Beitrag zur Nachhaltigkeitspolitik von Linde Material Handling.“

Schwerstarbeit hinterlässt Spuren

Wer so viel geleistet hat, muss sich mal regenerieren. Nach einer gründlichen Aufbereitung können die Fahrzeuge noch lange eingesetzt werden.

In vier Jahren ist der H30 Linde Stapler 4.000 Kilometer gefahren.

Vitalkur für Veteranen

Eben noch war der Linde Stapler im benachbarten Österreich im Einsatz. In Linz half er bei den Bühnenauf- und -abbauarbeiten zum stets im Sommer stattfindenden, sogenannten Krone-Festival. Die Gebrauchsspuren sah man deutlich: zahlreiche Beulen, abgefahrene Reifen, verrostete Nuten und abgeschrammter Lack. Peter Markschläger, Marketingleiter von Linde Fördertechnik Österreich, sagt: „Außerdem läuft nach dem fünfjährigen Einsatz beim Kunden dessen Fullservice-Vertrag aus. Daher kommt er nun zur Aufbereitung nach Tschechien.“

Dort wurde der Linzer Stapler nun in Empfang genommen und zunächst gewaschen. „Danach folgt die Inspektion“, erläutert Slimáček. „Wir haben geklärt, welche Schwachstellen das Gerät hatte, in welchem Zustand Motor und Batterie waren, welche Ersatzteile wir bestellen mussten. Wir verwenden nur langlebige Linde Original-Ersatzteile.“ Schließlich nahmen zwei Arbeiter den Stapler auseinander. Wie bei einem umgekehrten Puzzle haben sie innerhalb einer halben Stunde alle Bauteile voneinander getrennt: Fahrersitz, Auspuffrohr, Frontscheibe, Lampen, Gabelzinken …

Vor der Inspektion werden die gebrauchten Geräte gewaschen.
Nach so vielen Umdrehungen haben alte Reifen ausgedient und werden durch neue ersetzt.
Wenn nötig, werden die Gebrauchtstapler mit Linde Original-Ersatzteilen ausgestattet.
Altersschwachen Stellen rücken die Techniker mit dem Schweißgerät zu Leibe.
Nachdem die Karosserie von alter Farbe, Kratzern und Beulen befreit wurde, erhält sie eine neue Lackierung.

Die Aufbereitung in Tschechien ist so gut, dass ich manchmal von Kunden gefragt werde, ob es sich tatsächlich um ein gebrauchtes oder doch um ein neues Gerät handelt.

Peter Markschläger
Marketingleiter
Linde Fördertechnik Österreich

Neuwertig und nachhaltig

Metallteile wurden ausgebeult, geschweißt – und gestahlstrahlt. Und wieder schlüpft ein Arbeiter in einen wie ein Weltraumanzug anmutenden Overall. Dieses Mal, um dem Chassis eine neue Lackierung zu verpassen. Danach werden alle Bauteile wieder zusammengefügt, gefolgt von einer letzten Inspektion. Das Anbringen eines neuen, strahlendweißen Linde Logos ist am Ende das I-Tüpfelchen. Dann erstrahlt er in neuem Glanz und ist fertig, um auf dem Endkundenmarkt für Gebrauchtstapler in Mittel- und Osteuropa angeboten werden zu können.

Vier Wochen bleiben die Geräte in Velké Bílovice durchschnittlich, für einen Stapler mit Verbrennungsmotor werden nur etwa neun Arbeitstage gebraucht. „Die Aufbereitung in Tschechien ist qualitativ so gut, dass ich manchmal von Kunden gefragt werde, ob es sich tatsächlich um ein gebrauchtes oder doch um ein neues Gerät handelt“, sagt Markschläger augenzwinkernd.

Nach der umfangreichen Schlusskontrolle erhalten die Stapler das Qualitätssiegel „Geprüft durch Linde“.