Produktion

Das Werk auf der grünen Wiese

Ein Interview mit Sabine Neuß, Chief Operating Officer bei Linde.

Frau Neuß, was die größte Herausforderung bei diesem Projekt?


Wir haben dieses Werk auf die grüne Wiese gestellt und in fast alle Fertigungs- und Montageverfahren neu investiert. Wir haben bestehende Prozesse in Frage gestellt und, wo sinnvoll, völlig neu definiert. So haben wir beispielsweise Lackierverfahren eingeführt, die für Linde neu sind. Das ist natürlich auch eine Herausforderung. Aber mit einem guten Team war das zu meistern.


Was macht das Werk einzigartig?


Die Einzigartigkeit dieses Werkes zeigt sich darin, dass wir sehr viel mehr auf IT-Lösungen setzen. Hier wollen wir sehr viel stärker die Prozesse gestalten, wollen sie führen und wollen auch nicht mehr so sehr zulassen, dass jeder ein bisschen machen kann, was er will. Alles, was man im Zusammenhang mit Logistik 4.0 oder Industrie 4.0 anstrebt, dass man Prozesse komplett vernetzt - das meinen wir hier erstmalig in der KION Geschichte umgesetzt zu haben.


Das Werk ist also eine so genannte Smart Factory. Woran zeigt sich das konkret?

Wir haben hier beispielsweise erstmals ein so genanntes MES-System (Manufacturing Execution System) eingeführt. Das heißt, dass die Mitarbeiter sowohl bei der Mastmontage, als auch bei der Kabinenmontage, online durch die Arbeit geführt werden. Sie müssen entsprechend Rückmeldung geben, was Qualitätsmerkmale betrifft. Das sind einfach Themen, die für uns sehr neu sind. Wir wissen durch die Rückmeldungen, wo das Produkt im Fertigungsprozess steht. Qualitätskriterien werden online abrufen. Das ist das, was wir heute als Smart Factory abbilden wollen.


KION Stříbro
Steckbrief zum Werk

Leitung
Geschäftsführer: Johann Brunner
Werksleiter: Radek Čermák

Mitarbeiter/innen:150

Spatenstich/Baubeginn: 11.11.2014

Produktionsbeginn: 04.01.2016

Eröffnung: 16.02.2016

KION Marken: Linde Material Handling

Größe/Fläche: Gebäude: 200m x 120m (mit 24.000 qm Produktionsfläche)

Kapazität:
10.000 - 12.000 Fahrzeuge/Jahr
Fahrzeugtypen: Baureihe 1120 Linde Material Handling

Sonstiges/Besonderheiten: Smart Factory mit Manufacturing Execution System, modernstes Werk der KION Group


Inwiefern wäre das Werk eine Blaupause für andere, neue Werke der KION Group?

In diesem Werk haben wir versucht, ganz neue Wege zu gehen, und das ist natürlich nur möglich, wenn Sie ein bisschen Freiheit haben. Man sollte also noch nicht im Tagesgeschäft die Produktion am Laufen haben. Hier können Sie auch einmal einen Piloten ausprobieren in einem etwas kleineren Maßstab. Den können Sie dann auch entsprechend optimieren. Und wenn Sie dann soweit sind und sagen: „Das ist es!“, dann können Sie das Ergebnis auch in die anderen Fabriken übertragen.

Tschechien gilt als attraktiver Standort für internationale Unternehmen. Hat sich das für Sie bewahrheitet und wenn ja, inwiefern?

Aus zweierlei Gründen ist das hier nahezu ein perfekter Standort: Tschechien kann auf viele Jahre Erfahrung im Maschinen- und Automobilbau zurückgreifen, hat viele erfahrene und gut ausgebildete Mitarbeiter. Auch die Infrastruktur ist nahezu perfekt. Wir sind hier an der Autobahn von Nürnberg nach Prag. Sie haben verschiedenste Autobahnanschlüsse, Sie haben einen Flughafen in Prag, um diesen Standort zu erreichen. Über diese Infrastruktur ist es leicht, Material herzubringen, wie auch die fertigen Produkte in den Verkehr zu bringen. Das ist einfach genial. Zudem ist man mit dem Auto nur etwa drei Stunden von Aschaffenburg entfernt. Das macht die Attraktivität dieses Standortes aus.

Was war Ihr persönliches Highlight bei dem Projekt? Was hat besonders gut geklappt?

Wichtig war, dass man jeden mitnimmt, dass man erklärt, dass man neue Wege gehen will. Dass man das Altbewährte sicherlich analysiert. Aber immer mit den neuen Gedanken verknüpft. Und ganz wichtig: Mitnehmen, mitnehmen und nochmals mitnehmen. Sie können nichts alleine schaffen. Sie brauchen die Kollegen, ihre guten Ideen. Ansonsten können Sie so ein Projekt vergessen.