Dematic bringt ihre Software-Kompetenz als Stärke ein

Chief Technology Officer Eike Böhm im Interview über die Megatrends der Branche und was die neue KION Group hier zu bieten hat.

2017-03-01

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Herr Böhm, Sie haben 2016 die neue CTO-Organisation aus der Taufe gehoben. Was war und ist das Ziel?

Die Bündelung aller technischen Funktionen unter meiner Leitung hat zwei Ziele. Erstens wollen wir die Schlagkraft und die Geschwindigkeit erhöhen, wie wir technische Dinge umsetzen. Und der zweite große Punkt ist, Synergien zu heben und Doppelarbeiten zu vermeiden.


Wie weit ist der Aufbau dieser Organisation fortgeschritten?

Die CTO-Organisation ist weitgehend aufgebaut. Das Ganze fand ja in zwei Phasen statt. Die erste Phase war das Zusammenführen von Linde, STILL, Amerika und Asien 2016. Und seit November 2016 wurde auch Dematic integriert. Wir sind jetzt in Summe über 2.000 Entwickler, Ingenieure, Einkäufer und Qualitätsleute weltweit und wir haben die Prozesse, wie wir zusammenarbeiten, auch definiert. Das Team ist ziemlich gut und schlüssig zusammengewachsen. Das geht natürlich nicht ohne inhaltlichen Bezug, man muss an konkreten Themen arbeiten. Ein sehr erfolgreiches Thema ist unser KION Material-Cost-Optimisation-Projekt, ein firmenübergreifendes Projekt zur Optimierung unserer Materialkosten.

"Wir leben davon, Technologieführer zu sein, damit unsere Kunden mehr Geld verdienen als ohne diese Innovationen."


Eike Böhm

Member of the Executive Board of KION GROUP AG Chief Technology Officer

Herr Böhm, Innovation ist in Ihrem Bereich von ganz zentraler Bedeutung…

Ohne den Fokus auf Innovationen bräuchte KION diese ganze Übung nicht machen. Wir leben ja davon, Technologieführer zu sein, damit unsere Kunden mehr Geld verdienen als ohne diese Innovationen. Und Kernelement ist das Zusammenführen der Entwickler und der Ingenieure, die in kreativen Prozessen neue Technologien entwickeln und einsetzbar machen. Von den weltweit über 2.000 CTO-Mitarbeitern sind gut 1.300 echte Forscher und Entwickler, die in verschiedenen Projekten und an verschiedenen Standorten die großen Themen vorantreiben wie Robotics, Software Solutions oder Automatic Guides Vehicle, Fahrerlose Transportsysteme.

Wo sehen Sie gegenwärtig die großen Trends im Material Handling oder auch in der Supply-Chain-Industrie?

Aus meiner Sicht gibt es in unserer Industrie einen Megatrend. Und das ist, dass immer mehr durchgängige Prozesse entstehen. Durchgängige Prozesse, Materialflüsse, Datenflüsse. Unsere Aufgabe ist es, darauf zu reagieren. Und deshalb haben wir ja auch Dematic: Weil wir damit ein Unternehmen geworden sind, das durchgängige Prozessoptimierung für den Kunden umsetzen kann, der damit Geld spart. Element dieser Durchgängigkeit ist die Digitalisierung, die in aller Munde ist. Aber natürlich geht es auch um die mechanische Durchgängigkeit von Prozessen, etwa, dass man Fahrzeuge autonom fahren lassen kann. Alles basiert auf der Vernetzung dieser Komponenten in der Supply Chain. Deshalb ist der große Punkt in unserem Geschäft die Prozessoptimierung.


Welche Chancen sehen Sie konkret für den Forschungs- und Entwicklungsbereich der KION Group durch den Kauf von Dematic?

"Wir haben die Vision - und die ist nicht sehr weit entfernt ist - dass wir an die Software-Plattform Dematic iQ in Zukunft auch Flurförderzeuge, also Gabelstapler und Lagertechnik-Geräte, einfach andocken können."


Eike Böhm

Member of the Executive Board of KION GROUP AG Chief Technology Officer

Dematic bringt aus meiner Sicht eine unglaubliche Stärke in die KION Group ein, und das ist ihre Software-Kompetenz. Dematic hat über 200 Software-Entwickler in Kanada, in den USA, in Deutschland. Und sie haben eine wirklich außerordentlich gute Software-Plattform entwickelt mit Namen Dematic iQ. Wir haben die Vision - und die ist nicht sehr weit entfernt - dass wir an diese Software-Plattform in Zukunft auch Flurförderzeuge, also Gabelstapler und Lagertechnik-Geräte, einfach andocken können und genau so die erwähnten durchgängigen Prozessketten entstehen. Das ist ein ganz, ganz großes Asset.

Das zweite, was Dematic einbringt, ist eine sehr große Kenntnis der Kunden. Sie definieren ihre Kunden in sogenannten Verticals, in Industrien und Branchen. Und dieses Wissen hilft auch uns, noch bessere Lösungen zu entwickeln. Letztlich haben wir nur eine einzige Aufgabe – nämlich den Kunden etwas anzubieten, mit dem er mehr Geld verdienen kann.

Welches sind die großen Projekte in Ihrer CTO-Organisation für 2017?

Ein Megathema ist, dass man in großen Lagerhäusern eigentlich das Licht ausmachen möchte. Man möchte also weniger Menschen oder gar keine Menschen mehr dort beschäftigen und es weitgehend automatisieren. Und ein zentrales Element dafür sind Roboter. Die gibt es in zwei Ausprägungen: stationäre Roboter, aber auch mobile Roboter, die fahren und sich autonom im Lager bewegen. Das ist ein ganz zentrales Projekt, das wir aufgesetzt haben.

Das zweite ist, die Software-Plattform Dematic iQ zu erweitern, damit unsere Flurförderzeuge dort angedockt werden können. Natürlich gibt es auch ein organisatorisches großes Projekt. Dabei geht es darum, unsere Entwicklungsgeschwindigkeiten zu erhöhen, damit wir in der Lage sind, schneller Dinge an den Markt zu bringen als in den vergangenen Jahren. Das sind die drei großen Themen für unsere CTO-Organisation.