Roboter in modernen Lagern

„Rasante Entwicklung rund um Robotik“

In der Vergangenheit waren Roboter im Warenlager nur bedingt hilfreich. Im schnellen Aufnehmen von Einzelartikeln galt der Mensch klar im Vorteil. Christoph Meurer, R&D Dematic, erklärt, warum sich das ändert.

2017-11-20

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Roboter sind in Fertigungslinien und Produktion schon längst ein vertrauter Anblick. In Warenlagern aber sind sie bislang vergleichsweise selten aufgetaucht.

Ja, weil es Hochtechnologie ist, was sie dort leisten müssen: Der Heilige Gral der Lagerhallen-Automatisierung ist die schnelle, automatische Kommissionierung unterschiedlicher Einzelartikel. Roboter mit den exakten optischen Fähigkeiten und der passenden Greifmechanik auszustatten, damit sie zum Beispiel eine einzelne Shampoo-Flasche oder ein T-Shirt aufnehmen und anschließend von einem Regal auf ein Transportmittel legen können, sind höchst komplexe Herausforderungen.


Aber immer mehr Unternehmen mit Lagerhallen setzen darauf?

Gerade die Einzelhändler schauen immer stärker auf den möglichen Einsatz von Robotern, und Trends wie Online-Handel befeuern das umso stärker. Kunden wollen immer mehr im Internet einkaufen, und haben dabei auch immer höhere Ansprüche an schnelle Lieferung. Ich glaube, Roboter werden schon bald den Unterschied ausmachen im Einzelhandel, einer Branche, die sich in einem starken Wettbewerb befindet was Kosten und Geschwindigkeit angeht. Wir wissen, dass schon heute viele Händler sich eine Maximalgrenze gesetzt haben: Höchstens 15 Minuten dürfen zwischen Bestellung und Versand vergehen.


Man könnte auch noch mehr Mitarbeiter einstellen.

In großen Lagerhallen arbeiten heute schon viele hundert Menschen in der Auftragsabwicklung, als Kommissionierer und in der Verpackung. Für bestimmte Schlüsselaufgaben ist es jetzt schon schwierig, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Und wenn der Trend zum Online-Handel so weitergeht, wie prognostiziert – und da spricht alles dafür – dann werden noch viele mehr gebraucht werden. Deswegen sage ich auch, die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust durch Roboter ist in diesem Fall unbegründet: Roboter werden die Produktivität der Mitarbeiter stärken. Roboter brauchen Menschen, die sie überwachen, die Systeme optimieren und das Wachstum managen.


Christoph Meurer

R&D Dematic


Wie groß ist der Markt, von dem wir insgesamt sprechen?

Eine Studie im Auftrag von Tractica kam zu dem Ergebnis, dass die Zahl der verkauften Roboter weltweit von aktuell 40.000 auf über 600.000 im Jahr 2021 steigen könnte. Ich würde sagen, wir reden da insgesamt von einem sehr, sehr starken Interesse an Robotertechnologie. Eine große Zahl von Unternehmen kommissioniert heute noch mit Papierzetteln und wird kurzfristig nach Automatisierung nachfragen. Robotertechnik ist aber auch für Märkte mit niedrigeren Lohnkosten attraktiv, nicht zuletzt, weil die Preise für Standardroboter deutlich gesunken sind. Auch Platzprobleme in Ballungsräumen oder Sicherheitsfragen machen Roboter attraktiv. Einer der Märkte mit dem höchsten Investitionsvolumen in Robotertechnik ist deshalb auch konsequenterweise China.


Was bedeutet das für Dematic?

Wir sind vorbereitet. Mehr als das: Dematics RapidPick XT ist aktuell der Vorreiter, was die Kommissionierung von Einzelprodukten angeht, er kann bis zu 1200 Produkte pro Stunde verarbeiten, bis zu 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Wir sind auch sehr aktiv in der Weiterentwicklung von Gripper- und Vakuum-Technologien, um Gegenstände möglichst exakt aufzunehmen, egal welche Form oder Größe sie haben.


Gibt es da wichtige Trends, zum Beispiel für bestimmte Branchen?

Der Bau von Mischpaletten und gemischten Roll-Cages wird immer wichtiger für Einzelhändler, vor allem im Lebensmittelbereich, wo es darum geht, dass die Palette so gebaut wird, wie sie im einzelnen Laden der Gangfolge entsprechend wieder abgebaut wird. Damit wird das Hin- und Herlaufen in den Gängen vermieden. Es geht dabei um möglichst hohe Effizienz bei der Bestückung der Ladenregale. Durch die mit dem demografischen Wandel verbundenen ergonomische Anforderungen wird das automatische Kommissionieren von schwereren Gütern geradezu eine Notwendigkeit. Auch in diesen Feldern sind wir ganz vorne mit dabei. Und wichtig ist nicht nur der Roboter selbst, sondern auch ein System, das ihn entsprechend mit Nachschub versorgt. Auch dafür stehen wir bei Dematic. Oder nehmen Sie das Multishuttle ARM, das gerade von unserer Forschungsabteilung entwickelt wird: Ein vollständig automatisiertes Kommissioniersystem, das eine Multishuttle-Anlage mit integriertem Kommissionieren kombiniert. Es gibt noch viele andere wirklich sehr spannende Entwicklung rund um automatisierte Fahrzeuge und Roboter.


Roboter sind keine Zukunftstechnologie mehr?

Sie werden derzeit sehr schnell ein sehr realer Bestandteil der Gegenwart einer jeden Lagerhalle. Eine rasante Entwicklung, die so nur möglich wurde durch die jüngsten Fortschritte in intelligenter Bilderkennung. Das hat Roboter viel kosteneffizienter gemacht, und vor allem sind sie heutzutage viel besser in der Lage, schnell und präzise einzelne Produkte aufzunehmen und zu verarbeiten. Wir werden aktuell Zeuge davon, wie sehr komplexe, in der Vergangenheit scheinbar unüberwindbare Probleme, gelöst werden. Und Dematic ist mittendrin, seinen Teil dazu beizutragen.