Hochkomplex und doch so einfach
Die Faszination für Stapler hat sich bei Spickermann nach und nach entwickelt. „Unglaublich komplex und gleichzeitig so einfach“, fügt er an: Selbst bei den heutigen Hochtechnologie-Flurförderzeugen erkenne man noch die Anfänge, bis hin zum Flaschenzug und zum Kran. Allerdings: Der moderne Stapler kommt nicht mehr ohne Sensoren und Informationstechnologie aus.
Umso wichtiger, dass IT-Entwickler verstehen, für wen und was genau sie da eigentlich programmieren. Spickermann erinnert sich an eine Episode, als über eine Ferndiagnose für Stapler diskutiert wurde. „Es muss trotzdem jemand vor Ort sein“, lautete die Vorgabe. Die Entwickler verstanden diesen Einwand erst nicht, bis sie vor dem Stapler standen, um den es ging: Ein Acht-Tonnen-Fahrzeug, drei Meter hoch. „Wenn ihr etwas falsch macht, fährt dieser Stapler durch die Wand, und durch die nächste Wand weiter“, kommentierte ein Ingenieur. Für Spickermann eine treffende Beschreibung: „IT ist in unserer Branche nicht abstrakt“, sagt er. „Sie ist ganz eng mit dem Produkt verbunden.“
Grenzen verschwinden
Die größer werdende Faszination für die Technik stellt Spickermann auch bei seinen Kollegen fest. „Wir entwickeln eine Beziehung zu dem, was wir machen“, sagt er. Die modernen Arbeitsprozesse tragen ihr Übriges dazu bei: Im Gegensatz zu dem eingangs beschriebenen „Wasserfall-Modell“, bei dem eine Abteilung etwas bei der IT bestellt, ist das Projektteam von Spickermann mittlerweile auf „agiles Arbeiten“ umgesattelt. Dadurch wird die Verantwortung stärker verteilt, Zwischenergebnisse häufiger besprochen und insgesamt der gegenseitige Austausch gefördert. Das bringt mit sich, dass Softwareentwickler noch stärker über den Tellerrand schauen und im Gegenzug Vertrieb oder Ingenieure sich stärker in die Logik von IT hineindenken müssen. Grenzen lösen sich auf, die Trennung zwischen „Auftraggeber“ und „Ausführenden“ entfällt. Das geht so weit, dass die Beteiligten mittlerweile gerne in einem gemeinsamen Büro sitzen würden. „Wir arbeiten alle zusammen, sitzen quasi im selben Boot“ beschreibt Spickermann.
Der IT-Experte würde sogar gerne noch tiefer in die Welt der Stapler eintauchen. Ebenso kann er sich vorstellen, künftig die Endkunden noch enger in die Weiterentwicklung von Software einzubeziehen. „Die Herausforderung besteht darin, dass Kunden nicht das Gefühl haben, wir drehen ihnen unausgereifte Software an“, beschreibt Spickermann. „Aber frühzeitigeres Feedback von Anwendern kann sehr wertvoll sein, vielleicht über Tagesworkshops.“ Es zeigt sich: Wer einmal begonnen hat, Grenzen aufzulösen, erkennt schnell immer weiteres Potenzial.