2019-01-17

Zukunft: Gar nicht dunkel

Wohin führt uns die Automatisierung? Auf der VDI-Konferenz „Robotik für die Smart Factory“ diskutieren Vertreter aus Industrie und Forschung Trends, Ideen und Innovationen. Der Tenor: Für Warenlager und Lieferkette eröffnen sich künftig vielversprechende Möglichkeiten.

Es ist einiges in Bewegung geraten in der Intralogistik. Über die Branche hinaus erregt sie Aufmerksamkeit: „Wir glauben stark an Intralogistik-Themen“, sagt zum Beispiel der Vertreter eines großen Herstellers für Industrieroboter. Während die Produktionshallen bereits stark automatisiert sind, gibt es in den Warenlagern noch immer zahlreiche Punkte, die optimiert werden könnten. „Bis vor kurzem hat sich die Produktion auf Kosten der Logistik optimiert“, so ein vielzitierter Satz. Logistik galt lange zu Unrecht als das ungeliebte Kind: Sie soll am besten geräuschlos funktionieren, aber Manager beschäftigten sich eher ungern mit ihr. Das hat sich deutlich geändert: Unternehmen entdecken das Innovationspotenzial ihrer Logistik.

Das zumindest ist die Stimmung auf der Konferenz, zu der das VDI Wissensforum geladen hatte. „Robotik für die Smart Factory“, ein Rundumschlag über die Themen, die derzeit Unternehmer beschäftigen: Automatisierung, autonome Systeme, maschinelles Lernen: Wo können Maschinen den Menschen noch Arbeit abnehmen? Und wenn sie gemeinsam mit Menschen arbeiten – wie wird das organisiert?

Kollaborative Systeme sind eben kein Widerspruch zur Autonomie.

Professor Johannes Fottner , Lehrstuhl für Fördertechnik, Materialfluss und Logistik an der TU München

„Smart“ oder „dark“?

„Kollaborative Systeme sind eben kein Widerspruch zur Autonomie“, unterstreicht Professor Johannes Fottner, Lehrstuhl für Fördertechnik, Materialfluss und Logistik an der TU München zum Konferenzauftakt. Der mitdenkende, kooperierende Roboter könnte ein sinnvolleres System sein, als die komplett automatisierte Produktion. Menschenleere Fabriken, neudeutsch „Dark Factory“, dunkle Hallen, weil die Roboter kein Licht mehr benötigen. Die gab es vereinzelt schon – sie hätten sich aber aus guten Gründen nicht flächendeckend durchgesetzt.

Was genau ist Autonomie in diesem Kontext überhaupt: Wird uns der Roboter eines Tages, gefüttert mit allen Regeln des Steuerrechts, die Steuererklärung schreiben, wie es sich Professor Kai Furmans vom Karlsruher Institut für Technologie pointiert wünscht? „Das Problem ist nur, das Steuerregelwerk ist nicht ohne Widersprüche“, fügt Furmans an. Genau wie übrigens die alltäglichen Abläufe in der Logistik. Auch maschinelles Lernen werde solche Widersprüche nicht einfach auflösen können. Allerdings können uns Maschinen beim Sammeln von Wissen, aufbereiten und dem Ziehen von logischen Schlüssen helfen.

Mensch und Maschine ergänzen sich

Was deswegen konsequenterweise auf der Konferenz reihenweise diskutiert, vorgestellt und erörtert wird, sind Modelle, in denen sich die Stärken von Mensch und Maschine ergänzen. Zweifellos, Menschen ermüden und sind fehleranfällig, beides üblicherweise zitierte Beispiele, an denen Roboter uns gegenüber im Vorteil sind. „Aber das aus meiner Sicht viel größere Problem ist, dass wir keinen USB- oder WLAN-Anschluss haben“, sagt Professor Fottner. Was er meint: Menschen brauchen viel länger, um Informationen zu verstehen und zu verarbeiten. Noch immer kann jeder Mensch beim Kommissionieren und Einsortieren besser in eine Kiste greifen und Gegenstände identifizieren, als der modernste Roboter – aber vielleicht können Maschinen, Datenbrillen oder andere Systeme dabei helfen, dass dabei nichts schiefläuft?

Unterschiedliche Unternehmen sinnieren bereits darüber, welchen Nutzen autonome Systeme für sie bieten können. Der Einzelhändler dm ist mit mehreren tausend verschiedenen Produkten konfrontiert, die morgens in die Regale einsortiert werden müssen. In absehbarer Zeit wird auch kein Roboter imstande sein das zu leisten, aber das Management erhofft sich für die Filialmitarbeiter Hilfe bei der Vorsortierung der Produkte – oder auch dem körperlich anstrengenden Transport zu den Regalen. Die Logistiker von DHL wiederum stehen vor der Herausforderung eines stetig steigenden Volumens: „Der länderübergreifende E-Commerce steigt jährlich um 27 Prozent, deutlich stärker, als der nationale.“ Autonom mitdenkende Fahrzeuge sollen hier die Kommissionierer auf ihren Wegen unterstützen. Darüber hinaus testet DHL bereits automatisierte Fahrzeuge für Paketzusteller oder autonom fliegende Drohnen.

Noch fehlen die Standards

Automatisierte Routenzüge oder Roboter, die greifen, einräumen und ausräumen können – solche Wünsche wiederholen sich während der zweitägigen Konferenz immer wieder. Auffällig dabei: Zwar sind erkennbar zahlreiche Unternehmen auf der Suche nach automatisierten Logistiklösungen, viele haben aber sehr spezielle Anforderungen. Es fehlen die Standards. Im Zweifelsfall basteln sich große Konzerne deswegen derzeit ihre autonomen Hilfssysteme für Warenlager und Fabrikhalle einfach selbst. „Wir wollen eigentlich keine Roboter bauen, wir sind Automobilhersteller“, sagt ein Firmenvertreter. „Nichtsdestotrotz sehen wir 95 Prozent an Potenzial in der Logistik, und finden derzeit keinen Hersteller, der uns das liefern kann, was wir brauchen.“

Die Signale an die Intralogistikbranche sind eindeutig: Potenzial ist reichlich vorhanden. Unternehmen werfen einen frischen Blick auf Logistikprozesse, und zeigen sich offen. „Es war nie besser, in der Supply Chain zu arbeiten, als heute“, sagt der Supply-Chain-Verantwortliche eines globalen Großkonzerns. „Früher wurden wir etwas belächelt.“ Heute hingegen experimentieren die Abteilungen mit autonomen Fahrzeugen, mit Drohnen oder künstlicher Intelligenz.

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