2020-05-26

Licht aus!

Die Anforderungen an intralogistische Automatisierung verändern sich permanent. Dematic treibt diese Entwicklungen maßgeblich voran: mit selbstständigen Regalbediengeräten, Fahrerlosen Transportsystemen und automatischen Multishuttle-Systemen. Auch in der Robotik sehen die Experten viel Potenzial für das Warenlager der Zukunft.

„Licht aus!“ Wenn dieser Ruf abends durch die Kinderzimmer auf der ganzen Welt tönt, ist es für die Kleinen an der Zeit, schlafen zu gehen. Ganz anders in der Welt der Intralogistik. In modernen Warenlagern und Fabriken herrscht selbst im (Halb-)Dunklen höchste Betriebsamkeit. „Unser erklärtes Ziel ist es, sämtliche Funktionen im lagerlogistischen Betrieb zu automatisieren, so dass Roboter arbeiten, während Menschen sie managen“, erklärt Crystal Parrott, Global Vice President des Robotics Center of Excellence von Dematic. Maschinen und Technik übernehmen somit nicht mehr nur monotone, standardisierte Arbeitsschritte, sondern sollen aufgrund ihrer gesammelten Daten und ihrer Analysefähigkeit eigenständig Entscheidungen treffen. Wenn sie das beherrschen, bedeutet das Effizienz und Schnelligkeit. Und ein Warenlager, in dem Menschen nicht mehr körperlich arbeiten müssen und deshalb die Beleuchtung ausgeschaltet oder zumindest deutlich heruntergedimmt werden kann – ein „Lights-out Warehouse“.

Roboter werden intelligenter

Früher waren Roboter simple Maschinen, die ein und denselben Arbeitsschritt immer und immer wieder ausgeführt haben. Dazu musste sich der Gegenstand, den sie bearbeiten sollten, an derselben Stelle befinden. Meistens war er auch identisch geformt. So war es Robotern zum Beispiel möglich, in einem Warenlager Großaufträge zum Transport bereit zu stellen. Das reicht aber heute nicht mehr aus. „Geschäfte haben weniger Lagerfläche. Kunden bestellen kleinteiliger, individueller“, sagt Parrott. Gefragt sind deswegen seltener große Aufträge identischer Produkte, sondern eine Mischung ganz verschiedener Artikel. Diese soll möglichst schnell zusammengestellt werden. Das ist eine ganz neue Form an Komplexität. Die Maschine muss unterschiedliche Gegenstände in unterschiedlichen Positionen greifen können. Dabei weiß sie noch nicht einmal, welcher Gegenstand ihr als nächstes vorgesetzt wird.

Eine komplette Branche forscht daran, Maschinen beizubringen, wie sie Gegenstände aus einer Kiste holen, die alle unterschiedlich aussehen, weich sind oder hart, vielleicht eine fettige Oberfläche haben, oder wo dieselbe Ware gestern noch in einer komplett anderen Verpackung steckte, weil es eine Jubiläums-Edition war. Technisch geht das mit Finger-Greifern oder mit Hilfe von Vakuum. Aber die Roboter müssen intelligenter werden. „Sie müssen wissen, wo genau sich ihr Arm in Relation zum Produkt befindet“, beschreibt Parrott. „Wo setze ich an? Dafür brauche ich Augen.“ In diesem Fall: Kameras und Sensoren, die wiederum eine künstliche Intelligenz benötigen, die steuert und das, was sie sieht, umrechnet in Bewegung.

Das Lager rückt näher an den Kunden

Roboterarme sind jedoch nur ein Puzzlestein im Warenlager der Zukunft, das nahezu komplett automatisiert sein wird. Die Marken der KION Group bieten zahlreiche weitere Lösungen und wollen die wenigen noch bestehenden Automatisierungslücken bald schließen können. „Konsequente Automatisierung ist sowohl für Großkunden mit riesigen Lagerflächen nützlich, als auch für den Einzelhändler vor Ort“, sagt Parrott. Die sogenannte „letzte Meile“ , also der Bereich in den Innenstädten, der direkte Kontakt zum Endkunden, sei es im Geschäft oder an der Haustür, ist auch für KION in vielerlei Hinsicht ein spannendes Feld. Aktiv bearbeitet wird es unter anderem durch Pilotprojekte wie dem „PackMyRide-System“ von Dematic, das vollautomatisiert Pakete verschiedenster Größen verarbeiten, in die gewünschte Reihenfolge bringen und in ein Verladeregal sortieren kann, welches dann per FTS (Fahrerlosem Transportsystem) automatisiert in den Lkw transportiert wird. Auch das war bis vor kurzem so nicht möglich und spart vor allem Zeit und Kraft: Die Paketzusteller müssen nicht mehr manuell sortieren und verladen, sondern können sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren: das Zustellen. Neben Dematic haben auch die Premiummarken der KION Group Linde Material Handling und STILL hierfür innovative Maschinen in petto.

„Kein Kunde will nicht mehr zwei Wochen warten. Deswegen muss das Lager näher zum Kunden“, drückt es Parrott aus. „Je näher wir an den Kunden rücken, desto günstiger wird die letzte Meile.“ „Micro-Fulfillment“, also das kleine Warenlager um die Ecke, ist hier das Stichwort. Dieses Dematic System hat eine extrem kompakte Bauweise, passt somit zum Beispiel an die Rückseite eines Einzelhandelsgeschäfts und kann die Aufträge innerhalb einer Stunde vollautomatisch zusammenstellen.

Software und Materialfluss werden zum Wettbewerbsvorteil

Eine weitere Anforderung an den Roboter der Zukunft: seine Bewegung. Er wird nicht mehr an einem Ort stehen. Lange Zeit war das FTS eine erste Lösung in dieser Richtung. Das allerdings musste geleitet und angewiesen werden. Künftig wird es durch autonome, mobile Roboter (AMR) ergänzt, die selbstständig ihren Weg suchen und bei einem Hindernis nicht einfach stoppen, sondern es schlau umfahren. „Aber ein fahrender Roboter allein nützt ja noch nichts“, gibt Parrott zu bedenken: „Am besten ist, wenn man beides kombiniert: Vielleicht kann der Roboter seine Produkte greifen und sortieren, während beide sich bewegen, so dass Pickrate und Produktfluss noch effizienter werden?“ Die Folge wäre, die Innenarchitektur von Warenlagern komplett neu zu denken. Zum Beispiel, weil der Roboter nicht nur zum Regal fährt, sondern das Regal direkt mitbringt. „Die aktuellen technologischen Entwicklungen bieten die Chance, den gesamten Warenprozess anders zu planen“, sagt Parrott. „Das Warenlager war lange Zeit statisch. Das ist es nicht mehr. Alles wird modular, alles wird beweglich – je nach Platz und Bedarf.“

Die Zukunft ist näher als gedacht

Derzeit denken wir oft noch in einzelnen Maschinen. Doch es wird ganz sicher einen grundlegenden Paradigmenwechsel geben: Künftig werden diese Maschinen so zusammenarbeiten, dass sich daraus eine große, integrierte Maschine ergibt. Eben das „Lights-out Warehouse“. Eventuell wird das Lager auch zur Materialandienung für sehr individuelle, maßgeschneiderte Kundenanforderungen, die just-in-time in Produktion oder im 3D-Drucker realisiert werden. „Das großartige an Technologie ist, dass sie sich ständig verändert“, betont Parrott. Noch fehlt ein wenig bis zum Warenlager, das ohne Menschen quasi im Dunklen funktioniert. „Aber in fünf Jahren kann alles schon anders sein.“ Vieles von dem, was aktuell erdacht werde, sei nicht mehr weit von der Umsetzung entfernt: „Die nächste Generation Roboter, die intelligenter und leistungsfähiger sind, kommt. Und das vermutlich schneller, als wir glauben.“

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