Linde Salon in Peking

Deutsche Kunst für die Kunden

In Peking hat mit „Deutschland 8“ die bisher umfassendste Schau deutscher Gegenwartskunst im Ausland eröffnet. Die KION Group und Weichai Power haben als Sponsoren das Projekt mit ermöglicht.

2017-09-19

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Gao Gao zeigt auf das riesige Bild in leuchtenden Farben hinter ihr, auf dem leicht abstrahiert dargestellte Menschen über einen Wall klettern, die wie die einstige Berliner Mauer aussieht. „Die Besonderheit der deutschen Kunst ist, dass sie immer wieder die Geschichte reflektiert – etwa den zweiten Weltkrieg oder die deutsche Teilung“, erklärt sie den aufmerksam zuhörenden Besuchern, Kunden von Linde China. Gao Gao ist Assistentin des Direktors des Museums der Nationalen Kunstakademie CAFA in Peking, in der das Bild hängt. Der deutsche Künstler Daniel Richter wählte als Vorlage für dieses Gemälde ein Foto von einer völlig anderen Begebenheit – das aber bewusst die Nacht des Mauerfalls suggeriert.


Richters Bild ist Teil der Ausstellung „Deutschland 8 – Deutsche Kunst in China“, die bis zum 31. Oktober in acht Museen Pekings zu sehen ist. Die KION Group und ihr Ankeraktionär Weichai Power gehören zu den Sponsoren, die dieses Großereignis möglich gemacht haben. Das Ziel: den interkulturellen Dialog zwischen Deutschland und China zu fördern und voranzubringen. „Durch unsere gemeinsame Förderung der Kunstausstellung mit Weichai Power bauen wir auf die starken kulturellen Verbindungen zwischen unseren Unternehmen auf und zeigen, dass unsere Partnerschaft auf weit mehr als nur geschäftlichen Interessen basiert,“ sagt Gordon Riske, CEO der KION Group.


Um das Erlebnis dieser Ausstellung zu teilen, lud Linde China ausgewählte Kunden zum Auftakt der Schau ins CAFA-Museum ein. Erläuterungen wie die von Gao Gao seien wichtig, um Bilder aus einem anderen Land und Kulturraum zu verstehen, sagt Linde Kunde Zhang Weibin aus dem südchinesischen Shenzhen. Er hat nach dem Rundgang den Eindruck, „dass deutsche Kunst sehr persönlich ist und vor allem versucht, Gefühle weiterzugeben.“


Gemeinsam organisiert von der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur e.V. und der CAFA, werden rund 320 Werke von 55 zeitgenössischen Künstlern seit den 1950er Jahren ausgestellt. Die Kuratoren, der Bonner Stiftungsvorsitzende Walter Smerling und CAFA-Präsident Fan Di’an, wollen „dem chinesischen Publikum die einmalige Möglichkeit geben, Deutschland und seine kulturelle Vielfalt durch den Blickwinkel der Kunst zu erleben.“ Deutschland 8 ist dabei die Antwort auf die Schau China8 von 2015, die damals chinesische Gegenwartskunst in acht Städten des Rhein-Ruhr-Gebiets mit mehr als 500 Werken von 120 Künstlern aus China zeigte. 120.000 Besucher wurden seinerzeit gezählt.

„Deutschland 8 ist einzigartig, und in dieser Art und in diesem Umfang nicht einmal in Deutschland zu sehen“, betonte Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel bei der Haupteröffnung am 17. September im Tai Miao-Tempel, dem einstigen Ahnentempel der chinesischen Kaiser. Die dort ausgestellten Werke von Nachkriegskünstlern wie Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Sigmar Polke, Gerhard Richter und anderen Künstlern der ersten Nachkriegsgeneration stehen auf brilliante Weise in Kontrast zu den rot lackierten Säulen, schweren Bronzeglocken und bunten Kassettendecken des Tempels. Kurator Smerling nannte die Eröffnung einen „unglaublichen Moment, geprägt durch die Spannung der großen Geschichte des Tai Miao-Tempels und der deutschen Gegenwartskunst.“


Chinas Künstler seien bereits seit den 1980er Jahren mit moderner deutscher Kunst vertraut, sagt Gao Gao – Material über deutsche Maler und Bildhauer kam nach der Öffnung Chinas mit als erstes ins Land. Dieser Austausch zwischen den Ländern und Kulturen ist den Veranstaltern sehr wichtig: „Kunst kann als Katalysator zur besseren Verständigung dienen.“ Mit dem „Linde Salon“ in der CAFA nutze das Unternehmen eine einmalige Gelegenheit, die Kunden an diesem kulturellen Austausch teilhaben zu lassen, sagte Ching Pong Quek, Präsident von KION Asien-Pazifik und KION Vorstandsmitglied. Auch Linde habe in den 24 Jahren Präsenz in China von beiden Kulturen und deren Austausch profitiert.


Die eingeladenen Linde Kunden kommen aus der Industrie, nicht aus der Kunst. Doch Vize-Museumsdirektor Wang Chunsheng schlägt ihnen eine Brücke: Industrielle Erfindungen haben ihren Ursprung vielfach in der Kunst, erläutert Wang. Die Gedanken von Experten aus der Industrie und Künstlern könnten zusammengeführt werden - zu industriellen Anwendungen. Ein Beispiel für die Verbindung von Kunst und Industrie sei das Industriedesign, sagt Xu Tong, Designdozent der CAFA. Jedes Produkt muss eine Form bekommen, die designt werden muss. Jahrzehntealtes Industriedesign erscheint heute vielfach wie Kunst – wie etwa der Linde Stapler aus den 1960er Jahren, den Quek zur CAFA mitbringen ließ und beim Linde Salon ausstellte – zusammen mit einem Elektro-Stapler der neuesten Generation, dessen Formen von Porsche Design entworfen wurden. „So haben wir hier alte und moderne Schönheit“, sagt Quek augenzwinkernd. Einige Besucher lassen sich mit dem alten Stapler fotografieren.


Die Linde Kunden bekamen die umfangreichste Präsentation der Schau zu sehen. Im CAFA-Museum sind Werke von 17 Künstlern – neben Daniel Richter etwa Stephan Balkenhol, Jörg Immendorff, Rosemarie Trockel, Isa Genzken oder Martin Kippenberger ausgestellt. Die künstlerische Sprache und die Bedeutungen hinter jedem Bild seien vielen Besuchern erst einmal fremd, räumt Gao Gao ein. „Doch je mehr Bilder sie anschauen, desto besser verstehen sie.“