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Nur wer rastet, der rostet

Fahrerlose Transportsysteme waren Mitte der Neunziger etwas ganz Neues. Auch, wenn aktuelle Modelle technisch weiter sind: Mit seinen 22 Jahren hat „Hugo“ sich exzellent gehalten und ist nach wie vor ein äußerst zuverlässiger „Kollege“.

2018-03-01

Beim sächsischen Farbenhersteller Meffert AG sind zwei fahrerlose Flurförderzeuge von Egemin seit über 20 Jahren im Einsatz und immer noch so gut in Form wie am ersten Tag. Aber der KION Group genügt nicht zu wissen, dass ihre Geräte nachhaltig laufen und laufen und laufen. Das Augenmerk gilt längst der Entwicklung hochmoderner Systeme, die extrem ressourceneffizient sind.

Seit 22 Jahren fährt „Hugo“ unfallfrei. „Als er 18 wurde, haben wir scherzhaft gesagt, dass er eigentlich erst ab jetzt alleine fahren darf“, sagt Roland Barth und schenkt „Hugo“ einen gütigen Blick. „Tatsächlich aber ist er natürlich schon seit Tag eins zuverlässig unterwegs.“ Barth ist Betriebsleiter beim Farbenhersteller Meffert AG Farbwerke im sächsischen Ostrau. Und „Hugo“, das ist der firmeninterne Spitzname für die zwei fahrerlosen Flurförderzeuge von Egemin. Inzwischen sind sie in einem stolzen Alter für solch automatisierte Geräte. Aber immer noch sind sie fit wie eh und je.

Das Werk in Ostrau wurde 1992 auf der grünen Wiese gebaut und war damals eine der modernsten Lackfabriken Deutschlands. Fortschrittlich war 1996 wohl auch die Entscheidung, zwei fahrerlose Transportsysteme (FTS) anzuschaffen. Denn die Technologie kam erst gegen Ende der 80er-Jahre auf. Seit jeher laufen die beiden karminroten, mannshohen Fahrzeuge im Zweischichtbetrieb und bringen Paletten mit Farbe befüllter Eimer und Dosen von den zwölf Abfüllstationen ins Lager. 40 bis 50 Tonnen transportieren sie so pro Tag.

"Wenn die beiden Geräte mal ausfallen würden, hätten wir richtig Stress."

Roland Barth

Unermüdlich unterwegs

Beinahe lautlos und mit flotter Schrittgeschwindigkeit fügen sie sich unauffällig in den Betrieb ein. Die 75 Mitarbeiter im Werk gehen mit ihren beiden „Hugos“ völlig selbstverständlich um. Ab und an haben sie – einem Schulterklopfen gleich – auch einen kleinen Klaps für sie übrig. „Der Vorteil der fahrerlosen Geräte liegt nicht nur darin, dass sie Staplerfahrern die monotone Arbeit abnehmen, immer auf gleichen Wegen zwischen Abholstation und Lager zu fahren“, sagt Barth. „Sie sind dabei besonders sicher unterwegs.“ Denn hält sich ein Arbeiter im Weg der Geräte auf, stoppen sie. Knapp 100.000 Betriebsstunden sind die beiden Fahrzeuge zusammengenommen schon gelaufen. Unfallfrei.

„Ihre Langlebigkeit macht unsere fahrerlosen Transportsysteme so einzigartig“, sagt stolz Thomas Kaminski, bei Dematic Vice President Mobile Automation. Zuvor war er CEO von Egemin North America, bevor das Unternehmen in die jüngste KION Marke Dematic integriert wurde. „Die kompakte und robuste Bauweise, die langlebige Batterie, qualitativ hochwertige (Elektro-)Mechanik und regelmäßige Software-Updates ermöglichen es ihnen, überhaupt 20 Jahre und mehr im Betrieb zu sein.“

„Wenn die beiden Geräte mal ausfallen würden, hätten wir richtig Stress“, sagt Betriebsleiter Roland Barth. „Dann müssten wir schnell ersatzweise einen Gabelstapler mitsamt Fahrer besorgen.“ Einen akuten Grund zur Sorge hat er aber nicht: Jedes Jahr werden die Geräte gewartet; erst 2016 wurde das Getriebe ausgewechselt. Sicher: Irgendwann müsste man über eine Generalüberholung nachdenken, denn das alte Betriebssystem kennen inzwischen meist nur noch die Altvorderen im Betrieb. Und die wäre dann tatsächlich kaum billiger als ein Neukauf.

"Wir sind eben Technik-Nerds."

Thomas Kaminski

Neu, nachhaltig und flexibel

Neue Lösungen hätte Dematic selbstverständlich parat. Denn in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich gewaltig viel getan rund um die unverzichtbaren, fahrerlosen Helfer. Die Anforderungen der Kunden sind gestiegen – sie verlangen vor allem nach Geräten, die einfach zu handhaben und dynamisch einzusetzen sind. Während Mefferts „Hugos“ noch auf Induktionsschienen fahren, also von einem starren System abhängig sind, orientieren sich die aktuellen Fahrzeuge mit Laser-Navigationssensoren flexibel im Raum. Unabdingbar etwa für E-Commerce-Giganten wie Amazon, JD.com und Alibaba, die statt ganzer Paletten einer Ware kleinere Einzelbestellungen umschlagen müssen. Der Onlinehandel ist inzwischen ein neuer Markt.

Auch der Wunsch nach individuellen Modifizierungen am Fahrzeug nimmt zu, ebenso der nach hybriden Antrieben, die sich von einer manuellen in eine automatische Steuerung umstellen lassen und umgekehrt. Kaminskis globale Teams machen es möglich. Längst haben sie technologisch hochgerüstete Modelle im Angebot – elektrisch, also emissionsfrei, sowie ausgestattet mit den neuesten Sicherheitstools – und helfen den Kunden so, Wettbewerbsvorteile zu erzielen und gleichzeitig nachhaltig zu wirtschaften. Spitznamen für die neuen automatisierten Systeme haben sie übrigens auch: „Atom“ und „Ion“ nennen sie die beiden Software-Lösungen, mit denen die Fahrzeuge funktionieren. „Wir sind eben Technik-Nerds“, sagt Kaminski mit einem Lächeln.

Bildergalerie

Nur wer rastet, der rostet

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Die Fabrik im Betrieb, „Hugo“ in Aktion.

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Wenn die Farbeimer auf der Palette sind, übernimmt das Flurförderzeug.

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Kraft und Ausdauer – damit punkten die fahrerlosen Transportsysteme...

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In knapp 100.000 Betriebsstunden haben sie das unter Beweis gestellt.

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Neueste Transportfahrzeuge bieten die Möglichkeit, flexibel zwischen manueller und automatischer Steuerung zu wechseln.

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Einfache Bedienbarkeit und flexibler Einsatz – die neue Generation der fahrerlosen Transportsysteme von Dematic kommt den gestiegenen Anforderungen in Werken und Lagern entgegen.