2019-06-25

Trüffelsuche nach der Zukunftsidee

KION Invest will ein Radar für Trends sein und Startups dort unterstützen, wo beide Seiten voneinander lernen und profitieren können. Solche strategischen Partnerschaften sind meist erfolgreicher als ein rein finanzieller Einstieg. Denn etablierte Konzerne wie die KION Group haben Stärken, nach denen Startups besonders suchen.

Neue Ideen wagen, keine Disruptionen scheuen und schnell sein: Startups fordern auch in der Intralogistik etablierte Unternehmen heraus, treffen ihrerseits allerdings häufig auf dieselben Herausforderungen – ihnen fehlt sowohl das Vertriebsnetz als auch die Kapazität, ihre Idee in größerem Maßstab umzusetzen. „Viele Startups stoßen an gewisse Grenzen, sobald sie ihre Technologie entwickelt haben“, sagt Christian Bartl, Senior Director von KION Invest. Die Geschichte vom Konkurrenzkampf zwischen Startup und Schwergewicht, sie stimmt, wenn überhaupt, nur halb. Denn beide Seiten profitieren ab einem bestimmten Punkt voneinander: „Ein bisschen Erfahrung bringt KION ja auch an den Tisch“, sagt Bartl augenzwinkernd. „Wir haben die Industrieexpertise, den Marktzugang, und wir haben selbst Lager und Teststätten, in denen aus Prototypen marktfähige Geschäftsmodelle gemacht werden können.“

Eine zentrale Anlaufstelle für Startups

Seit Anfang 2019 existiert deswegen mit KION Invest bei der KION Group eine zentrale Anlaufstelle für interessierte Startups. Gleichzeitig sondiert die Abteilung eigenständig den Markt und hält nach interessanten Ideen Ausschau. Die Themen, die Bartl als besonders relevant auflistet, sind keine Überraschung: Industrial Internet of Things, Künstliche Intelligenz, Automation, Augmented Virtual Reality und Blockchain – allgemein bekannte Zukunftstechnologien für die Intralogistik. „Spannend wird es derzeit dort, wo ich tatsächlich Themen miteinander verbinden kann“, sagt Bartl. „Also zum Beispiel eine schlaue Lokalisierung einzelner Stapler auf dem Werksgelände, die sich verknüpft mit Künstlicher Intelligenz oder einer Big-Data-Analyse – da fängt die Reise in die Zukunft an.“ Das genau sei auch der Punkt, an dem Startups besonders gut darin seien, eingeschliffene Mechanismen zu hinterfragen oder wo sie mit innovativen Ideen einen Durchbruch erreichen könnten.

„Natürlich hat die KION Group auch schon vorher mit Startups gearbeitet“, unterstreicht Bartl. Linde Material Handling zum Beispiel war von Comnovo so angetan, dass man 2017 das Dortmunder Startup sogar akquirierte – die Gründer arbeiten heute intern als kreative Ideengeber. Interessant dabei: Ihre Technologie zur Kollisionsvermeidung wurde schließlich in einem Assistenzsystem umgesetzt, dem Linde Safety Guard. Das System schaut sozusagen um Ecken und durch Wände, drosselt Geschwindigkeiten und verhindert so Zusammenstöße zwischen Mensch und Maschine. „Ein Beispiel wie aus der Zusammenarbeit von Startup-Innovation einerseits und erfahrener Marktvalidierung andererseits etwas ganz Neues entstehen kann“, sagt Bartl. Für ihn ist der Gedanke entscheidend, dass am Ende beide Seiten profitieren. Dazu durchläuft die Zusammenarbeit klar definierte Meilensteine: Erst werden Use Cases definiert, dann Pilotprojekte gestartet. Daraus ergibt sich dann zum Beispiel eine strategische Partnerschaft – oder es wird ein mögliches Investment geprüft.

Wir wollen vom Startup lernen, und das Startup soll von uns lernen dürfen.

Christian Bartl , Senior Director KION Invest

Das Beste aus zwei Welten zusammenbringen

„Wir wollen vom Startup lernen, und das Startup soll von uns lernen dürfen“, so Bartl und räumt ein: „Das ist natürlich auch manchmal für ein etabliertes Unternehmen einen Schritt entfernt von der Mentalität der alten Ingenieurswelt.“ Wer sich in den vergangenen Jahren in der Intralogistik-Branche umgehört hat, stößt deswegen überall auf genau diese Frage: Wie soll man umgehen mit der neuen Startup-Welt und dem Startup-Ökosystem? Beobachten, fördern, investieren? „Uns ist die strategische und langfristige Sichtweise einer Partnerschaft wichtig, in der wir das Beste aus zwei Welten zusammenbringen“, sagt Bartl. „Inwieweit eine Beteiligung Sinn ergibt, zeigt sich dann oft durch die gemeinsame Arbeit.“

Der Begriff „Invest“ im Namen der Abteilung ist deswegen zunächst einmal im übertragenen Sinn zu sehen: Investiert wird zwar auch finanziell, bevorzugt aber zunächst einmal in Form von Zeit und Kapazität in eine „richtige und gute Partnerschaft“, wie Bartl es nennt. Er hält besonders die Augen offen nach Startups, die bereits einen gewissen Reifegrad und ein marktfähiges Angebot entwickelt haben. Und er erkennt auch Thementrends, in denen sich Startups derzeit besonders hervortun – beim gesamten Bereich des „Asset Trackings“ zum Beispiel, also der Lokalisation von Objekten im Lager anhand ihrer Standort- oder Bewegungsdaten. Daraus wiederum lassen sich dann Prozesse analysieren oder Routen optimieren, sprich: „Neue Erkenntnisse, mit denen Kunden ihre Lager optimieren können“, sagt Bartl.

Was kommt als nächstes?

Bartl selbst ist seit 2011 bei der KION Group; er hat, wie er selbst sagt, „eine spannende Zeit“ miterlebt, inklusive des Börsengangs und des Zukaufs von Dematic. Daraus ergab sich für ihn konsequenterweise immer die Frage: Was kommt als nächstes? „Wie können wir KION die nächsten Jahre weiterbringen, wie kann KION in der digitalen Zukunft eine gewichtige Rolle spielen?“, fragt er – und getrieben von dieser Frage regte der gelernte Betriebswirt, damals noch in der Strategie-Abteilung, selbst mit an, KION Invest zu gründen. „Wir bauen aktuell unser Netzwerk auf, sowohl intern als auch extern, suchen aber auch aktiv nach interessanten Startups.“ Neben Messen oder Universitäten entpuppen sich häufig auch staatliche Einrichtungen als vielversprechende Vermittler: „Schweden und Israel zum Beispiel sind sehr daran interessiert, einheimische Startups zu bewerben“, sagt Bartl. Zwei weitere Mitarbeiter umfasst sein Team derzeit, die sich beide ebenfalls ums Sichten und Netzwerken kümmern.

„Noch konzentrieren wir uns sehr auf Europa, aber ab Sommer wollen wir auch Asien in den Blick nehmen“, kündigt Bartl an. Innovative Ideen entstehen weltweit, dasselbe gilt auch für interessierte Kunden. Am Ende gehe es schließlich idealerweise darum, Ideen zu entwickeln, die exakt zu den Herausforderungen der Kunden passen. „Da hat KION auch einige Kunden, die aufgeschlossen sind, neue Ideen zu testen“, sagt Bartl, und fügt an: „Wir haben ja schließlich auch eine Reputation als Innovator.“

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